Dass in meinem Alltag Mozarts Sarastro das letzte Wort hat, ist eher selten. Doch als ich soeben scharf los polemisieren wollte, also die Feder spitzte, die Worte griffbereit im Köcher gruppierte, auf dass sie brausend loszischen, als ich den verbalen Bogen spannte, um pointiert aufs Ziel zu richten, spulte meine Erinnerung die Begegnungen der letzten Wochen ab. Beispielsweise jene mit dem Mann am Ticketing-Schalter der Tonhalle, der mich mit so viel Herzlichkeit begrüsst hatte, dass mir noch immer warm ums Herz ist. 

Oder dem Kondukteur, der mir erklärte, sein Kontrollgerät habe ihn aufgrund meines Doppelnamens, welcher auf dem Fahrschein so nicht erscheint, in Alarmbereitschaft versetzt. Nun aber, nach sekundenschneller Überlegung, sei er sich sicher, dass ich keine Betrügerin sei. Und dann die Bäckersfrau, die eigens für unsere Schoggi-verachtende Tochter ein ganzes Schulhaus anstatt mit den bestellten Schoggibrötchen auch mit Rosinenbrötchen beliefert hat. Ich liess die scharfen Worte im Köcher, denn wem nach so viel menschlicher Wärme das Polemisieren nicht vergeht, der, so würde Sarastro singen: «der verdienet nicht ein Mensch zu sein».