Armee-Material

Neben den Schuhen

Kampfstiefel 90 der Schweizer Armee.

Kampfstiefel 90 der Schweizer Armee.

Wer männlicher Schweizer ist, über 19 Jahre alt und bei der Aushebung nicht als untauglich für Militär- und Schutzdienst beurteilt wurde, dürfte mit ihnen schon in Kontakt gekommen sein, ja sie gar schon getragen haben: die Kampfstiefel 90 der Armee. Sie sind langlebig, wetterfest und kosten rund hundert Franken.

Immer mehr fabrikneue Kampfstiefel verrotten aber im Estrichabteil oder werden gar im Internet zum Verkauf angeboten. Denn ein stetig wachsender Anteil der Stellungspflichtigen entscheidet sich für den Zivildienst statt für die Rekrutenschule. Viele von ihnen – wie viele es
genau sind, lässt sich nicht eruieren – erhalten bei der Aushebung die klobigen Armeeschuhe, die für den gemeinnützigen Einsatz im Altersheim oder im Spital denkbar unnütz sind. Gleiches gilt für Zivilschützer, die nie für eine Tätigkeit «im Feld» aufgeboten werden. Dass all diese Personen vom Staat einen robusten Outdoorschuh geschenkt kriegen, den sie zumindest in ihrer angedachten Form gar nie verwenden können, macht nicht nur aus wirtschaftlichen Überlegungen keinen Sinn. Hinzu kommt, dass die Einsatzbetriebe ohnehin verpflichtet sind, den
Zivildienstlern spezielle Schuhe zur Verfügung zu stellen, wenn die Tätigkeit dies erfordert.

Ein gewisser Leerlauf ist in der Armee fast schon systemimmanent und kann wohl auch nie ganz vermieden werden. Zudem handelt es sich bei den Kampfstiefeln nicht um einen grossen Budgetposten. Und doch dürfen die Steuerzahler hier mehr Kostenbewusstsein erwarten. Auch Kleinvieh macht bekanntlich Mist.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1