Entfernt man die Werbung aus Frauenmagazinen, bleibt nicht viel mehr übrig als eine Aneinanderreihung von Regeln:

Regeln, wie Frau auszusehen, ihre berufliche Karriere voranzutreiben und ihre Ferien zu verbringen hat. Tu dies, tu das auf keinen Fall, kauf dies, kauf zwischendurch mal gar nichts, du darfst so viel essen, wie du willst, nur nicht immer, sei sexy, aber nicht zu sexy, meditiere, das ist gut für den Geist, kümmere dich um deine Kinder, aber vernachlässige deinen Partner nicht, mache ihn glücklich, indem du ihm Blowjobs gibst wie eine Edelprostituierte.

Es gibt sogar die Regel, zwischendurch regelfrei zu leben! Viele sehen in diesen Regeln gut gemeinte Ratschläge. Ich nenne diese gut gemeinten Ratschläge Regeln, die sich gut tarnen in ihrem rosa Schnörkelschrift-Gewand und unseren Alltag einschränken, nicht einfacher machen – sie suggerieren uns, immer noch ein bisschen mehr sein zu müssen. In den sozialen Medien ist das nicht anders: Wie das perfekte Leben geht, sieht man dort Bild für Bild.

Den Anspruch, so viel zu verdienen, so wohltätig zu sein, so viele Kinder oder so voluminöse Lippen zu haben wie Angelina Jolie, die mir gefühlt von jedem zweiten Frauenmagazin-Cover entgegenstrahlt und dabei aussieht, als wäre sie 17, hege ich glücklicherweise nicht.

Im Gegensatz zu früher: Als junge Erwachsene wollte ich um jeden Preis mit dabei sein, schämte ich mich für modische Fehltritte oder Unwissenheit, etwa, wenn es um Musik ging. Ich verliess nie ungeschminkt das Haus und glaubte, die Welt im Sturm erobern zu können, wenn ich nur endlich ein Paar Wurstpellen-enge «Miss Sixty»-Jeans besitzen würde.

Heute bin ich wesentlich gelassener. Zumindest, was die Optimierung meines Äusseren betrifft oder Dinge, die ich sowieso nicht ändern kann. Dass mir Miniröcke nicht stehen oder ich wenig schlagfertig bin zum Beispiel.

Anders, wenn es um die Liebe geht.

Die Flutwelle an Selbstverbesserungsvorschlägen macht auch vor unserem Privatleben nicht Halt. Doch während mit dem Älterwerden auch mein Selbstbewusstsein wuchs und sich heute einigermassen breitschultrig gegen all die «Als Frau musst du schön sein»-Devisen aufzulehnen vermag (mit Betonung auf einigermassen), ist meine Schutzmauer gegen die allgemeine Liebesverunsicherung heute mehr denn je hauchdünn und brüchig. Schliesslich sind alle meine bisherigen Beziehungen gescheitert (Ihre übrigens auch). Wieso sollte ich also hier auch nur den Schimmer einer Ahnung haben?

Kürzlich las ich, dass man als Paar an mindestens drei Abenden in der Woche auf «Quality Time» Wert legen sollte, also etwa Essen oder ins Kino gehen, den TV abstellen, sich gegenseitig zuhören. Das helfe, um eine gute Basis für eine gesunde Beziehung zu schaffen. Klingt einleuchtend.

Doch bin ich mir sicher: Genauso wenig, wie die meisten Frauen die neuesten Modetrends nicht eins zu eins aus den Magazinen übernehmen, befolgen auch Paare die meisten Beziehungsregeln nicht. Weil es zu viel Mühe macht, Zeit kostet, die man nicht hat, oder Energie braucht, die man nicht aufbringen will.

Nur: Ob man weite oder enge Hosen trägt, entscheidet selten nachhaltig über das persönliche Glück. Ob man eine gute Beziehung führt oder nicht, schon. Dass mein Verhältnis zu Liebesbeziehungen auf Unsicherheit beruht, liegt daran, dass ich zu wenig weiss darüber. Auch ich war bisher der Meinung, dass Beziehungen keine Regeln brauchen.

Und die Moral dieser Kolumne? Dass Sie zwei Regeln befolgen sollten. Lesen Sie Beziehungsratgeber und lernen Sie über die Liebe. Und: Lesen Sie keine Frauenmagazine mehr. Die schaffen nur Probleme, wo keine sind.