Kommentar

Mehr Lust auf Französisch: Das braucht die Deutschschweiz

Französisch verschwindet immer mehr aus den Deutschschweizer Schulzimmern.

Französisch verschwindet immer mehr aus den Deutschschweizer Schulzimmern.

Die Pläne, dass für KV-Lehrlinge nur noch eine Fremdsprache obligatorisch sein soll, stossen auf Widerstand. Was die Deutschschweiz dringend bräuchte, ist mehr Lust auf Französisch.

Sie gehört zu den 1.Augustreden wie das Milizsystem: die sprachliche Vielfalt der Schweiz. Wir sind stolz darauf. Und das zu Recht. Und trotzdem: Im Alltag nimmt die Bereitschaft ab, die Sprachenvielfalt zu pflegen. Zum Beispiel in der beliebtesten Lehre der Schweiz: Nach ersten Plänen soll im KV nur noch eine Fremdsprache unterrichtet werden. Damit gerät ­ das Französisch unter Druck. Dieser Schritt wäre bedenklich. Wegen des nationalen Kitts: Niemand kann ein Interesse an einem neuen Sprachenstreit haben. Und wegen der Durchlässigkeit des Bildungssystems: KV-Abgänger ohne Berufsmaturität würden ins Hintertreffen geraten.

«Französisch werde nur von der Politik am Leben gehalten», beschrieb kürzlich ein Bekannter die weitverbreitete Stimmung in Lehrerkreisen. Dieser Satz ist fatal. Er offenbart ein mangelndes staatspolitisches Verständnis. Vor allem aber ist er ein Zeichen des Verdrusses. Französisch gilt als schwierig zu lernen, die Schüler haben lieber Englisch. Das ist auch für Lehrer zermürbend. Was die Deutschschweiz dringend bräuchte, ist mehr Lust auf Französisch. Die Voraussetzungen in diesem kleinräumigen Land wären so gut dazu. Sprachaustausche sind einfach zu bewerkstelligen. Die SRG mit all ihren Kanälen könnte der Mehrsprachigkeit mehr Platz einräumen.

An Englisch kommt in diesen Zeiten niemand mehr vorbei. Französischkenntnisse sind da ein echter Pluspunkt.

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