Mitten im Getöse um Fake News und das lustvolle Lügen des Grossmeisters im Weissen Haus hören wir den Altmeister. 1873 schrieb der Basler Professor Friedrich Nietzsche «Über Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinn». Klar: Der Altmeister sah es völlig anders, als es der Grossmeister praktiziert.

Für uns, den Fake-News-Ausgelieferten, ist die Lüge eine Abirrung von der Wahrheit. Lüge ist, was bleibt, wenn man die Wahrheit verfehlt oder verlässt. Der Lügner muss um das Wahre «wissen», wenn er lügt. Wobei es Könner in dieser Sparte gibt, welche das Lügen so instinktsicher pflegen, dass es für sie keine Rolle spielt, ob sie dabei wach sind oder schlafen.

Nietzsche beginnt mit dem «Erkennen». Ein vermessenes Unterfangen. «Kluge Tiere» hätten es erfunden. Aber: Im «Erkennen» wird Wahrheit fixiert, jetzt erst entsteht – als Kontrast – die Lüge. Den Menschen «drängt» es aber nicht zur Wahrheit. Er empfindet, fühlt Reize, spielt «ein tastendes Spiel auf dem Rücken der Dinge». Nietzsche weiter: «Dazu lässt sich der Mensch nachts, ein Leben hindurch, im Traume belügen, ohne dass sein moralisches Gefühl dies je zu verhindern suchte: während es Menschen geben soll, die durch starken Willen das Schnarchen beseitigt haben.» Jetzt wissen wir: Der Grossmeister schnarcht wenigstens nicht.