Medien

Liebesgefühle zum Jahresauftakt

Ringier mit CEO Marc Walder kehrt in den Verlegerverband zurück.

Ringier mit CEO Marc Walder kehrt in den Verlegerverband zurück.

Ein Gastkommentar zur Medienbranche, wo sich die Medienhäuser wieder nähern.

Das neue Jahr beginnt mit Schmetterlingen im Bauch. Zwar nicht im Nahen Osten, aber bei den Schweizer Verlegern. An der Dreikönigstagung, dem traditionellen Jahresauftakt der Kommunikationsbranche, wurde Ringier erneut als Mitglied des Verbandes Schweizer Medien begrüsst. Eine Sensation – und der Beweis, dass in Zeiten der Klimaerwärmung jede Eiszeit ein Ende hat.

Unvergessen, mit welchem Getöse Ringier 2015 den Verlegerverband verliess. Der Grund: die Gründung der Vermarktungsgesellschaft Admeira mit den staatsnahen Betrieben SRG und Swisscom. Für die Verleger ein wirtschaftspolitisches Sakrileg. ­Ringier-CEO Marc Walder, damals noch Vorstandsmitglied, musste die Verbandssitzung verlassen, Verleger Michael Ringier sprach von einem «Kindergarten», der Eklat war­perfekt.

Doch die Zeiten stehen auf Annäherung. Vor anderthalb Jahren gaben die grossen Verlagshäuser die Gründung einer Login-Allianz bekannt. Und vor wenigen Wochen trat Tamedia – von der Branche praktisch unbemerkt – erneut digitalswitzerland bei, Marc Walders «Kind» und Lieblingsprojekt. Liebestechnisch: der erste Flirt.

Doch der Ringier-Wiedereintritt hat auch ökonomische Gründe. Der Anzeigenerlös der Schweizer Zeitungen liegt eine Milliarde Franken tiefer als noch vor sechs Jahren. Im Gegenzug stiegen die Einnahmen bei den Digitalangeboten «lediglich» um 85 Millionen Franken an. Eine massive Diskrepanz, der Ruf nach Staatshilfe wird lauter. Gemeinsames Singen, so eine kleine Lebenserfahrung zum Jahresauftakt, bringt manchmal doch mehr als ein stilles Gebet.

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