Kommentar

Lesbisches Paar mit Baby? In unseren Köpfen hat das kaum eine Chance

Das Komittee für "Ja zum Schutz vor Hass" vom 9. Februar.

Das Komittee für "Ja zum Schutz vor Hass" vom 9. Februar.

Nun ist es offiziell: Wer eine Bevölkerungsgruppe aufgrund der sexuellen Orientierung anfeindet, der kann strafrechtlich belangt werden. Eine gute Nachricht, ein Signal gegen den Hass. Über 63 Prozent sagten Ja an der Urne. Die Kämpfer für die Erweiterung der Antirassismus-Strafnorm sehen das Ergebnis als Richtungsentscheid. Sie erhoffen sich dadurch Aufwind für die Ehe für alle. Die Vorlage wird in der Frühlingssession vom Nationalrat behandelt.

Wir sind weit gekommen, in den vergangenen Jahren. Wenn man bedenkt, dass gleichgeschlechtliche Liebe bis vor ein paar Jahrzehnten noch ein grosses Tabu war und auch heute noch bei Einigen den Drang schürt, sich diskriminierend zu äussern und sogar tätlich anzugreifen, so ist eine Gesetzesänderung, die sich klar und deutlich für den Schutz von Minderheiten einsetzt, ein grosser Schritt in die richtige Richtung.

Doch was die Abstimmung auch zutage brachte: 40 Prozent stimmten Nein. Zwar eine Minderheit, aber keine kleine. Das dürfte insbesondere zum Tragen kommen, wenn man sich die Ehe für alle anschaut, die wohl vors Volk kommen wird. Denn so klar wie die Befürworter weiter für die Gleichstellung auf allen Ebenen kämpfen, so klar wollen die Gegner das Referendum gegen die Ehe für alle ergreifen. Umstritten ist insbesondere, ob die Samenspende für lesbische Paare erlaubt werden soll.

Es ist davon auszugehen, dass diese 40 Prozent, die jetzt die Dringlichkeit der Anliegen von Homo- und Bisexuellen nicht sehen, sich an der Urne kaum dafür erwärmen können, die Institution Ehe für alle zu öffnen. Und dass die Skepsis gegenüber der Samenspende noch weiter verbreitet ist. So sehr die Schweiz mit ihrem Ja zur Erweiterung der Rassismus-Strafnorm ein Zeichen in die Gleichstellungsrichtung gesetzt hat, so rasch sind die Türen zu, wenn es darum geht, was eine Familie im Kern in unseren Köpfen ausmacht.

Auch wenn, schaut man sich die Scheidungsraten, die Patchwork-Familien, die Tausenden Regenbogenfamilien, die Rate an künstlichen Befruchtungen, die kinderlosen Paare mal genauer an, heute bereits fast niemand mehr die perfekte Familie lebt, die wir uns so gerne ausmalen.

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