Ausverkauf törnt mich ab. Menschen, die wie im Rausch an den Rabattschildern vorbeihechten, um sich durch Berge von Kleidern zu wühlen: Shirts für 5, Hosen für 10 und Pullover für 12 Franken. Vor wenigen Tagen fand ich mich vor einem Ungetüm Dutzender ineinander verknäuelter Jeans wieder, ein entwerteter, liebloser Haufen Stoff in der Filiale einer Kleiderkette. Andere stürzten sich darauf, ich schluckte leer. Eigentlich wollte ich mir was Schönes für ein Date kaufen, weil ich das Gefühl hatte, ich habe nichts zum Anziehen. Aber die Lust war weg. Zu Hause wühlte ich mich durch die Berge in meinem Schrank, um festzustellen, dass da etliche wunderbare Tops, Blusen, sexy Hosen und glitzernde Röcke nur darauf warten, endlich wieder ausgeführt zu werden. Nichts zum Anziehen? Mitnichten.

Es ist Zeit, dass sich die Gesellschaft abgewöhnt, Kleider als Wegwerfartikel zu sehen. Es kann nicht sein, dass wir ein Teil höchstens zwei Mal tragen, um es danach zu entsorgen. Erfreuen wir uns an dem, was wir besitzen – das ist mehr als genug. Investieren wir lieber 50 anstatt 5 Franken in ein T-Shirt. Dafür hält die Freude länger, und die Luft und das Gewissen bleiben reiner. Vielleicht sind Sie ja so mutig wie Beauty-Unternehmerin Bea Petri: Sie kauft keine Kleider mehr, erzählte sie dem «Blick»; sie habe genug vom Konsumwahn. Kleiderfasten ist Trend. So weit bin ich noch nicht. Aber ich könnte es bald sein.