Beim Zugfahren haben wir in der Schweiz – leider – deutsche Verhältnisse. Spottete man bis vor kurzem über die Deutsche Bahn und ihre Zuverlässigkeit, den Anschluss in Frankfurt oder Mannheim mit Garantie zu verpassen, so muss man heutzutage auch in der Schweiz einen früheren Zug nehmen, um einen wichtigen Termin sicher zu erreichen.

So auch letzthin. Der Zug bummelte Richtung Zürich, als der Zugbegleiter meldete, dass wir mit einer Verspätung von zehn Minuten eintreffen werden. Nichts Neues also. Neu war aber seine Begründung: «Wegen hohem Verkehrsaufkommen». Also nichts von «Fahrleitungsstörung», «klemmenden Türen», «Stellwerkstörung» oder den nichtssagenden «technischen Problemen». Auch nichts von «Personenschaden», eine Meldung, die einen jedes Mal schaudern lässt. Nein, zu hohes Verkehrsaufkommen sei schuld. Das sorgte für Heiterkeit. Wie sich der Verkehr auf der Schiene wohl unerwartet vermehrt habe, fragte man. Sind ein paar Züge unvorhergesehen losgefahren oder haben sich gar einige selbstfahrende Autos autonom auf die Schiene verlagert?

Man kann den SBB also nur raten, wenn sie die Verspätungen nicht in den Griff bekommen, wenigstens die Zugbegleiter in einen Kurs für gute Ausreden zu schicken.