Kommentar

Hoher Preis für Versäumnisse

Für 8,7 Milliarden Dollar kauft Novartis eine US-Biotechfirma, die derzeit praktisch noch keinen Umsatz erzielt.

Für 8,7 Milliarden Dollar kauft Novartis eine US-Biotechfirma, die derzeit praktisch noch keinen Umsatz erzielt.

Novartis ergreift die Flucht nach vorne. Für 8,7 Milliarden Dollar kauft der Pharmakonzern eine US-Biotechfirma, die derzeit praktisch noch keinen Umsatz erzielt. Doch das soll sich spätestens in zwei Jahren ändern. Dann dürfte eine neue Gentherapie hohe Verkäufe generieren. In der Spitze rechnet Novartis mit mehreren Milliarden Dollar pro Jahr.

Das Basler Unternehmen ist auf neue Umsätze angewiesen. Bereits im nächsten Jahr laufen erneute die Patente wichtiger Medikamente aus, womit deren Verkäufe zwangsläufig sinken werden. Erschwerend kommt hinzu, dass Novartis in der wichtigen Disziplin der Krebsmedikamente im derzeit vielversprechendsten Gebiet den Anschluss verpasst. Es handelt sich dabei um sogenannte Immuntherapien, die das körpereigene Immunsystem dazu bringen sollen, Tumore zu bekämpfen. 

Novartis setzt derweil schon länger auch im Krebsbereich auf Gentherapien. Es ist daher kein Zufall, dass der Pharmakonzern mit dem neusten Zukauf diesen Ansatz nun auf andere Krankheitsgebiete auszuweiten versucht. Der Pharmakonzern bringt sich so in Stellung, um in einem zukunftsträchtigen Feld der Entwicklung neuer Medikamente zu den führenden Firmen zu gehören. 

Doch der Preis für diesen Schritt ist hoch, wie die 8,7 Milliarden zeigen. So gesehen, bezahlt Novartis mit dem Kauf auch für die Versäumnisse in der Vergangenheit.

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