Jetzt ist es also wieder passiert. Ein historisches Haus wurde abgerissen und die Bevölkerung bleibt staunend bis ratlos zurück. Ein privater Bauherr will auf dem Areal des historischen Murihofs, dem ehemaligen Lehnshof des Klosters Muri, im alten Wettinger Dorfkern drei Mehrfamilienhäuser erstellen. Für zwei Neubauten lag die Baufreigabe vor, für den Umbau des historischen Hofes nicht. Trotzdem wurden letzte Woche wertvolle Teile des Murihofs abgebrochen. Wie es im Moment aussieht, illegal. Die historische Bausubstanz aus dem 17. Jahrhundert ist grossteils zerstört. Das dürfte in der durchreglementierten Schweiz eigentlich nicht vorkommen. Und trotzdem geschieht es immer wieder, dass historische Häuser «plötzlich» in Flammen aufgehen oder Bagger «aus Versehen» schützenswerte Bauten abreissen.

Es geht in einer boomenden Gemeinde wie Wettingen nicht darum, nostalgische Ballenberg-Fantasien auszuleben. Es geht darum, dass Gemeinden ihr historisches Gewissen nicht verlieren. Je grösser der Siedlungsdruck, desto mehr Feingefühl braucht es für das Alte. Die Gemeinde Wettingen hat eigentlich vorbildlich gehandelt, ihr Bauinventar aktualisiert und den Murihof ausführlich darin beschrieben. Und jetzt hat auch der Gemeinderat richtig reagiert und einen Baustopp verhängt. Aber eine Gemeinde ist immer auch auf den Anstand der Bauherren angewiesen. Das Beispiel zeigt nicht zuletzt, wie undurchsichtig das Geschäft mit Immobilien sein kann. Ein Rechtsstreit wird folgen. Doch der historische Murihof bleibt in seiner Gesamtheit für immer zerstört.