Und dann brach plötzlich Hektik aus. Der Entscheid der Gewerkschaften, die Gespräche zu den flankierenden Massnahmen mit Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann zu verweigern, holte Polit-Bern letzte Woche ganz unerwartet aus der gemächlichen Sommerpause. Die Landesregierung steht mir ihrer Europapolitik vor einem riesigen Scherbenhaufen. Schneider- Ammann unterbrach deswegen seine Ferien, lud kurzfristig zu einer Medienkonferenz ein und kehrte in die Bundesstadt zurück. Manch ein Journalist war froh, immer eine lange Hose, ein Hemd und ein paar anständige Schuhe im Büro griffbereit zu haben. Im Tenue légère mit kurzen Hosen, T-Shirt und Birkenstöcken getraut sich (fast) kein Journalist an eine bundesrätliche Medienkonferenz – so viel Respekt vor den Institutionen muss sein.

Die Medienkonferenz fand schliesslich im Bundeshaus statt. Ganz ungewohnt, normalerweise kommen die Magistraten über die Strasse ins Medienzentrum, um ihre Botschaften zu verkünden. Weshalb nur, fragte sich die versammelte Journalisten-Gilde. Schnell machte eine überzeugende Theorie die Runde: So konnte vermieden werden, dass Schneider-Ammann durch die Berner Sommer-Hitze laufen muss und schon vor der Medienkonferenz ins Schwitzen gerät. Was sich unvorteilhaft auf sein Äusseres ausgewirkt hätte. Stattdessen konnte er im Innern des kühlen Bundeshauses von seinem Büro im Ostflügel zur Medienkonferenz gehen. Als Kommunikationsschef müsse man auf solche Details achten, gab sich ein Kollege überzeugt.

Die Theorie klingt gut, die Wahrheit ist reichlich banaler: Der Saal für die Medienkonferenzen im Berner Medienzentrum wird umgebaut.

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