Es war Gott, der den Angriff auf die Demokratie verübt hat – und zwar aus dem Kinderzimmer. «G0d», also eine leicht abgeänderte Schreibweise des englischen Worts für «Gott», ist das Pseudonym jenes Hackers, der in den letzten Wochen persönliche Daten von über tausend Politikern und anderen Prominenten in Deutschland ins Internet gestellt hat. Ein Zwanzigjähriger, der noch bei seinen Eltern ein Kinderzimmer bewohnt. Und ein «Angriff auf unsere Demokratie» ist das, was die Grünen darin sehen.

Die Leaks der Telefonnummern, Adressen, Fotos und anderer persönlicher Informationen haben in unserem Nachbarland für eine gröbere Erschütterung gesorgt. Zuerst wurde spekuliert, dass ein ausländischer Geheimdienst oder ein grosses Hacker-Kollektiv aus Russland dahinterstecken könnte. Dass es in Wahrheit ein zwanzigjähriger Junge war, ist alles andere als beruhigend. Wenn eine Einzelmaske zu einer solchen Tat, einem der grössten Leaks des Landes, fähig ist, so fragt man sich: Zu was ist denn ein Geheimdienst mit einer professionell ausgebildeten Cyber-Truppe in der Lage?

Wir haben uns in eine gefährliche Situation manövriert: Bis in die tiefsten Verästelungen unserer Gesellschaft sind wir abhängig von einem Informationsnetz. Wer darin manipulierend eingreift, kann unter Umständen Wahlen manipulieren oder Politiker erpressen. Insofern ist es nicht übertrieben, bei Hacks und Leaks von einem «Angriff auf die Demokratie» zu sprechen.

Klar scheint, dass es dagegen vernünftige Schutzmassnahmen braucht. Dabei aber bloss den Staat in die Pflicht zu nehmen, der seine Bürger besser schützen muss, greift zu kurz. Für die Sicherheit seiner Daten – und die seiner Mitmenschen wie Adressen und Fotos, die er auf seinen Geräten gespeichert hat – ist auch jeder Einzelne verantwortlich.