Am Montag verkündete ein chinesischer Professor, er habe genetisch veränderte Zwillinge auf die Welt gebracht. Er wusste, was er tat, und er wusste, dass es nicht gebilligt würde, vor allem von der Scientific Community nicht.

Das Crispr/Cas9-Verfahren, die «Genschere», ist ein beeindruckendes Werkzeug. Aber im Moment sind die Hände, die es führen, noch etwas unsicher. Da wird etwas herausgeschnippelt, das man nicht will; und vor allem weiss man nicht, wie das Genom, an dem herumgeschnippelt wird, wirklich funktioniert. Und das Bild der schnippelnden Schere könnte auch überhaupt nicht zur molekularbiologischen Realität passen.

Der chinesische Professor formulierte im CRiSPR Journal fünf ethische Prinzipien für die klinische Anwendung genetischer Manipulationstechniken. Prinzip 1 postulierte ein Recht für Familien auf Nachwuchs ohne Erbkrankheit. Das Recht auf Nachwuchs haben (auch) wir den Paaren mit der Möglichkeit der Befruchtung ausserhalb des menschlichen Körpers (IVF) gegeben.

Erlaubt haben wir auch PID (vorgeburtliche Diagnose). IVF und PID scheinen logisch und moralisch eng verknüpft. Die Frage ist jetzt: Geht Crispr/Cas9 einfach einen Schritt weiter und müsste demzufolge – falls technisch einigermassen perfekt – erlaubt werden? Was nützt ein Appell, es dürfe nur aus medizinischen Gründen gemacht werden? Das sollten wir ebenfalls einbedenken.