Gerade fällt mir auf, wie lange ich schon nicht mehr über das Sparen im aargauischen Bildungswesen geschrieben habe. Das war vor zwei, drei Jahren noch ganz anders: Da geisselte ich regelmässig Sparübungen zulasten der Kinder und Jugendlichen und zog dafür den Unmut der damaligen Regierung auf mich.

Inzwischen haben das Parlament, aber auch das Volk der Regierung mehrmals die Grenzen des Bildungssparens aufgezeigt, entsprechend ist an dieser Front nicht mehr allzu viel passiert. Doch jedermann wusste natürlich: «Es» ist noch nicht vorbei.

 Jüngstes Thema: die Mittelkürzung bei den «verstärkten Massnahmen». Hinter dem etwas bürokratischen Begriff verstecken sich vor allem Spezialförderungen für Kinder mit einer Behinderung oder Beeinträchtigung, meistens durch schulische Heilpädagoginnen, damit sie in der normalen Klasse unterrichtet werden können.

Es handelt sich also um ein Kernelement der integrativen Schule gemäss dem Motto «Mitnehmen statt ausgrenzen». Neu wird das Geld nicht mehr einzelnen Kinder zugesprochen, sondern den einzelnen Schulen. Wenig verwunderlich: Im Endeffekt ist es deutlich weniger Geld. Ursprünglich stellte die Regierung Kürzungen bis 14 Prozent in Aussicht, nun konstatieren Schulleiter Verluste von bis zu 40 Prozent.

Es geht hier nicht um eine ultimative Forderung «Hände weg von diesen Fördermitteln!» Es kann durchaus sinnvoll sein, den Zuteilungsmechanismus zu durchleuchten. Wer soll von «verstärkten Massnahmen» profitieren? Wo liegen die Grenzen zwischen beeinträchtigten und «schwierigen» Kindern? Warum nehmen die Fördergesuche zu? Doch betrüblich ist die Erkenntnis: Einmal mehr geht man vom Geld aus statt von der Pädagogik.

Nicht neue Erkenntnisse führen zum Systemwechsel, sondern Spardruck. Vor zwei Jahren hat sich die Regierung, bei der Beantwortung von kritischen Fragen aus dem bürgerlichen Lager, voll hinter die integrative Schulung gestellt – sie funktioniere gut. Vielleicht funktioniert sie nun bald nicht mehr so gut.

Entweder man bekennt sich zum aufwendigen System der Individualförderung oder man lässt es bleiben. Zeitgeistig die Integration voranzutragen, ihr aber die notwendigen Mittel zu verweigern, das ist keine gute Bildungspolitik. Offenbar war man sich in Aarau der Diffizilität des Dossiers bewusst: Man hat die Lehrerschaft nur per Schulblatt über den Systemwechsel informiert ...