In Frankreich ist die Zahl der Asylgesuche auf ein Rekordniveau gestiegen – was in der Bevölkerung für Unruhe sorgt und die Regierung Macron zum Handeln zwingt. Ganz anders in der Schweiz: Nachdem im Jahr 2015 noch fast 40'000 Menschen ein Asylgesuch gestellt hatten, waren es 2017 nur noch 17'000. Auch in Deutschland, das auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise im Herbst 2015 fast eine Million Menschen aufgenommen hatte, sind die Zahlen wieder drastisch zurückgegangen – auf einen Fünftel.

Dass sich in Europa die Asylzahlen von Land zu Land derart unterschiedlich entwickeln, widerlegt eine oft gehörte These aus dem Flüchtlingsherbst 2015, die insbesondere von Angela Merkel vertreten wurde: Migrationsströme liessen sich kaum steuern, sie seien einzig durch Kriege und wirtschaftliches Elend bedingt. Gut zwei Jahre später explodieren in Syrien noch immer täglich Bomben, die Lage in Libyen ist katastrophal, und in Eritrea herrscht nach wie vor ein Unrechts-Regime. Trotzdem zieht es viel weniger Flüchtlinge nach Deutschland und in die Schweiz. Merkel, die eben noch für Selfies mit Flüchtlingen posierte, zog die asylpolitischen Schrauben an (und profitierte von der Schliessung der Balkanroute), die Schweiz verschärfte die Grenzkontrollen und führte ein 48-Stunden-Schnellverfahren ein.

Die neuen Signale insbesondere aus Deutschland halten offenbar viele Menschen davon ab, nach Europa zu fliehen. Doch vergessen wir nicht: Auch letztes Jahr ertranken noch immer 3000 Menschen im Mittelmeer. Dies bleibt Europas grosse Schande.