Es war einmal ein Wolf, der streifte auf leisen Pfoten durch das Land. Er liess die Geisslein und Schafe in Ruhe, und so verstrich die Zeit, ohne dass ihn jemand bemerkte. Bis er eines Tages den Jägern in die Fotofalle lief.

Die Geschichte trug sich Ende Februar im aargauischen Erlinsbach zu. Anfang März lag dem zuständigen Amt des Kantons Aargau die Fotografie vor. Davon erfahren hat die Bevölkerung aber nicht durch das Amt, sondern durch das Schweizer Fernsehen. Auf der Jagdverwaltung hielt man es nicht für nötig, den Fotonachweis zu kommunizieren, weil der Wolf keine Schäden angerichtet hatte.

Das Tier ist inzwischen wohl über alle Berge. Es braucht also niemand mehr Angst zu haben, dass die Kinder beim Spielen im Wald vom Wolf angefallen werden. Ohnehin ist ein Angriff auf einen Menschen äusserst unwahrscheinlich. Doch die Ängste sind real, und sie müssen ernst genommen werden. Um sie abzubauen, hilft es nicht, wenn Wolfssichtungen verschwiegen werden. Im Gegenteil: Der Wolf in Erlinsbach hat ja gerade bewiesen, dass ein solches Grossraubtier durchs Mittelland ziehen kann, ohne eine Spur der Verwüstung zu hinterlassen. Nur wenn die Bevölkerung auch über solche Wolfsnachweise informiert wird, kann sie sich ein treffendes Bild dieses Tiers machen. Wird dagegen nur über Schafsrisse kommu- niziert, entsteht ein verzerrtes Bild.

Es war einmal ein Wolf. Und wenn er nicht gestorben ist, dann lebt er noch heute. Falls dem so ist, würde es die Bevölkerung gerne erfahren.