Daten mit Kreditkartenabrechnungen, Familienfotos, private Handynummern oder Inhalte über E-Mail-Unterhaltungen: Teilweise persönliche und sensible Daten von Politikern, Prominenten und Künstlern aus Deutschland wurden geklaut und im Netz veröffentlicht. Die Empörung ist gross. Und der Schaden für die Gesellschaft?

Nach aktuellem Kenntnisstand hält sich dieser in Grenzen. Dem oder den Urhebern des Datenklaus ist es nicht gelungen, derart sensible Daten in Besitz zu bringen, um mit diesen die politische Stimmung im Land zu beeinflussen. Was geschehen ist, scheint ein Schuss vor den Bug zu sein. In Deutschland stehen wegweisende Wahlen an. Die Europawahlen im Mai, Landtagswahlen im Spätsommer. Und wer weiss, vielleicht auch bald Bundestagswahlen – nachdem Kanzlerin Angela Merkel ihren Abgang selbst eingeleitet hat. Europa ist nicht einfach ein theoretisches Gebilde, das für freien Handel und freien Geldverkehr erschaffen worden ist. Europa ist in erster Linie ein Friedensprojekt. Dieses gerät zunehmend unter Druck, von unterschiedlichen Seiten. Auch die Manipulation von Informationen im Netz kann ein destabilisierender Faktor sein.

Der Cyber-Krieg ist längst zu einer ernstzunehmenden Bedrohung für die freie Gesellschaft geworden. Stimmungen lassen sich mit gezielten Informationen und Fehlinformationen beeinflussen. Es gibt Kräfte, etwa in Russland oder China, die aus eigenem Machtanspruch ein Interesse daran haben, das Gebilde EU ins Wanken zu bringen. Der nun publik gewordene Datenklau ist ein Weckruf. Das wichtigste EU- Mitgliedsland Deutschland sollte den Rat der Experten befolgen und mehr in den Schutz vor Cyber-War investieren.

christoph.reichmuth@chmedia.ch