Fremdsprache im Spital

Ein gutes Rezept liegt auf der Hand

Fremdsprachige Ärzte: Ein gutes Rezept liegt auf der Hand.

Fremdsprachige Ärzte: Ein gutes Rezept liegt auf der Hand.

Weil der Ärztemarkt in Deutschland, Österreich und Frankreich ziemlich ausgetrocknet ist, müssen die Spitäler auf andere Länder ausweichen, um Personal zu rekrutieren. Das führt zu Verständnisproblemen, zu Fehlmedikation und führte sogar zu einem Todesfall.

Ungarn oder Griechen sind nicht schlechtere Ärzte als Schweizer. Wenn sie aber die Sprache des Patienten nicht sprechen, ist das ein Problem. Missverständnisse sind unvermeidlich und sie können zu einer verfehlten Therapie führen. Nun lässt sich dieses Problem nicht ganz so leicht aus der Welt schaffen. Denn die Schweiz bildet zu wenig Ärzte aus. Deutsche, Franzosen, Italiener und Österreicher haben uns jahrelang die Aufgabe abgenommen. Die hiesigen Patienten haben von den Investitionen unserer Nachbarn profitiert. Das ist nun vorbei. Die Nachbarn haben ihre Arbeitsbedingungen verbessert.

Endlich bewegt sich auch die Schweiz: Der Bundesrat investiert ab nächstem Jahr 100 Millionen Franken in die Ausbildung von Ärztinnen. Bis diese ihre Arbeit aufnehmen, dauert es aber noch zwölf Jahre. Auch kurzfristig gäbe es Wege, die Sprachbarriere zu überwinden, indem ausländische Ärzte entweder die Sprache lernen oder nur im Labor arbeiten. Und trotzdem lässt sich nicht verhindern, dass Ärzte ohne Kenntnis einer Landessprache Patienten behandeln. Das Parlament hat es vor einem Jahr verpasst, eine griffige Regel einzuführen.

Angesichts der hohen Frauenquote unter Ärzten liegt eine andere, schnellere Lösung auf der Hand: Frauenförderung. Das heisst, jungen Müttern Teilzeitpensen ermöglichen, ihre Kinder auch bei unregelmässigen Arbeitszeiten im Spital hüten – und die Stelle so einrichten, dass sie mit einer Familie vereinbar ist.

anna.wanner@azmedien.ch

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Anna Wanner

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