Tragisch, beelendend, unerträglich. Es fällt schwer, die richtigen Worte zu finden, wenn man sich die Ereignisfolge im Mordfall Hausen vor Augen hält: Ein Mann übt Gewalt gegen seine Frau aus. Sie zeigt ihn an. Er kommt in Haft. Eine Wegweisung wird verfügt. Sie zieht die Anzeige zurück. Das Verfahren wird deshalb ausgesetzt. Wenige Monate später tötet der Mann seine Frau und deren Schwester.

Hätte man die Bluttat verhindern können? Hätte der Staat sie verhindern müssen? Reflexartig werden nach solchen Ereignissen neue, schärfere Gesetze gefordert. Diesmal reicht es, mit Nachdruck einzufordern, was Justizministerin Simonetta Sommaruga letzten Herbst angekündigt hat: einen griffigeren Schutz vor häuslicher Gewalt. Konkret soll der Täter nicht mehr von einem Verfahren verschont werden, nur weil das Opfer es nachträglich plötzlich so «will». Neu müssen Staatsanwalt und Gericht über eine allfällige Sistierung des Verfahrens entscheiden. Um das Opfer zu schützen, auch vor sich selber. Zu gross ist der Druck auf die betroffene Frau, nachzugeben und zu ihrem gewalttätigen Mann zurückzukehren – in patriarchalen Familienstrukturen doppelt.

Für die Opfer von Hausen kommt die geplante Gesetzesänderung zu spät. Umso mehr darf Sommarugas Vorhaben nun nicht in den Mühlen der Vernehmlassung von Parteien und Interessenvertretern zerredet und verzögert werden. Es wäre beschämend, müssten wir bei einem ähnlich tragischen Fall von häuslicher Gewalt dereinst konstatieren, der damals geplante Opferschutz sei leider immer noch nicht umgesetzt.