Kommentar

Die Covid-19-Taskforce ist handzahm geworden: Klartext und mehr Mut, liebe Wissenschafter!

Der ETH-Forscher Martin Ackermann ist seit August Leiter der Corona-Taskforce des Bundes.

Der ETH-Forscher Martin Ackermann ist seit August Leiter der Corona-Taskforce des Bundes.

Die Neuinfektionen sind in der Schweiz auf Rekordniveau gestiegen, jetzt bräuchte es eine klare Ansage des Wissenschaftsgremiums des Bundes. Stattdessen bemüht sich dieses vor allem darum, keine Angst zu verbreiten. Das reicht nicht.

Zu Beginn des Corona-Ausbruchs beklagten sich Epidemiologen, Virologen und andere Forscher darüber, dass der Bund sie nicht einbeziehe. Erst im April, als die Fallzahlen längst explodiert waren, rief das Bundesamt für Gesundheit dann doch noch ein wissenschaftliches Beratungsgremium ins Leben – die Covid-19-Taskforce.

Ihre Arbeit erwies sich als wertvoll. In der Maskenfrage und beim Testen machte sie den Behörden Beine. Und in der Öffentlichkeit finden die Stimmen von Marcel Salathé, Nicola Low oder Marcel Tanner Gehör. Sie tragen dazu bei, dass sich die Bevölkerung verantwortungsvoll verhält. Das ist enorm wichtig.

Doch jüngst haben Einfluss und Strahlkraft der Taskforce abgenommen. Liegt es daran, dass Anfang August mit Martin Ackermann ein kommunikativ zurückhaltender Wissenschafter das Präsidium übernommen hat? Anders als sein Vorgänger Matthias Egger wagt er es kaum, die Politik zu kritisieren und Forderungen zu stellen. Das wurde am Wochenende wieder in mehreren Interviews deutlich, die Ackermann im Radio SRF, in der «Tagesschau» und in den Sonntagsmedien gab.

Auch der neuste Lagebericht der Taskforce ist enttäuschend. Er analysiert die steigenden Fallzahlen, warnt vor zunehmenden Hospitalisationen und Todesfällen – unterlässt es aber, den Behörden und der Öffentlichkeit zu sagen, welche Massnahmen es jetzt bräuchte. Wäre nicht genau das der Job eines Beratungsgremiums?

Die Taskforce wirkt rat- und mutlos, ganz im Gegensatz zu ihrer Anfangsphase. Sie ist zu handzahm geworden, zu sehr darauf bedacht, keine Angst zu verbreiten. Dabei wäre es nun der richtige Moment für eine klare Ansage an die Adresse der Politik. Diese muss über die Massnahmen entscheiden; die Vorschläge aber sollte die Wissenschaft liefern.

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