Café Fédéral

Die arme Kuh

(Symbolbild)

Wofür die Kuh heute nicht alles hinhalten muss. Sie ist Fleisch- und Milchproduzentin, sie steht im Zentrum politischer Auseinandersetzung, wenn es um ihre Hörner, ihr Futter, ihre Gesundheit und ihre Platzverhältnisse im Stall geht. Streit verursacht sie aber auch, wenn es um den Abschluss neuer Freihandelsabkommen geht – das Fleisch, das andernorts produziert wird, ist viel günstiger (und vielleicht sogar besser). Die Kuh dient als Werbeinstrument und dem Schweizer Tourismus als perfektes Sujet. Neuerdings ist die Kuh aber nicht mehr nur Symbol für die Blümlischweiz.

In seiner Neujahrsansprache lud Bundespräsident Ueli Maurer die symbolbehaftete Kuh mit ganz neuen Elementen auf. Er sprach über Übergänge. Über Werte (in Form einer hölzernen Spielzeugkuh) und Fortschritt (in Form des iPhones). Die Kuh sei für ihn «das Symbol für unsere Traditionen, unsere Werte». Die Kuh steht sinnbildlich nicht etwa für Naturverbundenheit. Nein. Bundespräsident Ueli Maurer verbindet damit: «Die direkte Demokratie, den Föderalismus, die Bescheidenheit, einen gewissen Respekt vor den Grossen, unsere Pünktlichkeit, unsere Tüchtigkeit, unsere Zuversichtlichkeit.» Alle diese Eigenschaften seien unseren Werten zu verdanken, «die wir miteinander erstritten haben und die wir miteinander leben».

Ja, alle diese Werte vereint eine einzige Kuh. Viel einfacher ist da die Rolle des Smartphones, das den technologischen Aufbruch symbolisiert. Maurers Botschaft: Dieses Spannungsfeld Kuh-iPhone sei schwierig. Doch wenn die Balance stimme, dann blühe uns eine schöne Zukunft. Überhaupt dürfe sich das Schweizervolk auch wieder darauf besinnen, «dass wir manchmal etwas mehr Spass haben sollten».

Recht hat er. Bloss: Die arme Kuh!

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