Es gehört zum Wesen unserer Gesellschaft, Probleme zu erkennen und sich schwerzutun mit Lösungen, um diese zu beheben oder wenigstens zu mildern. Auch an guten Vorsätzen fehlt es kaum – insbesondere in der Politik. An Beispielen besteht kein Mangel. Selbstverständlich decken sich die Wahrnehmungen nicht und entsprechend unterschiedlich ist auch die Bereitschaft, Lösungsansätze zu entwickeln und umzusetzen. 

Ein Beispiel möge für andere stehen. Seit Jahren beklagen wir uns über die zunehmende Beanspruchung von Boden, Luft und Wasser. Erfreulicherweise hat in den letzten Jahren das Bewusstsein dieser Fragen zugenommen. Im Volk vermutlich noch ausgeprägter als in der Politik. Die Sorge um die Zukunft unserer natürlichen Ressourcen und damit von uns selber hat an Boden gewonnen und zeigt entsprechende Auswirkungen. Mich selber freut dies, nicht in meinem, sondern im Interesse kommender Generationen. Dabei bin ich weder ein Linker noch ein Grüner, sondern ein Freisinniger, der glaubt, dass diese Werte auch künftig in dieser Partei Platz haben sollten. Vielleicht etwas verstärkter, als dies auch schon der Fall war. 

Obwohl ich weiss, dass dies für viele auch eine Enttäuschung bedeutet, freut mich der Entscheid der Walliser Stimmbürgerinnen und Stimmbürger vom letzten Sonntag in jeder Beziehung. Dies ist keine Absage an den Tourismus, noch an die olympische Idee, aber vielleicht doch eine an jene aus der Politik, die noch immer glauben, der Fortschritt bestehe im Massentourismus und in immer höheren Investitionen. Dies zu einem Zeitpunkt, da viele Leute zunehmend Mühe haben, ihre Krankenversicherung zu bezahlen, ihre Steuern zu entrichten oder die Wohnungsmieten zu finanzieren. Man wird mir jetzt vorhalten, das habe nichts miteinander zu tun. Vordergründig stimmt dies. Aber im Unterbewusstsein vieler eben nicht. 

Auch die Meinung, es seien die Linken und die Grünen gewesen, ist nicht schlüssig. Zum einen gibt es im Wallis nicht eben viele mit dieser politischen Ausrichtung, zum anderen widerspricht das Resultat der freisinnigen Stadt Martigny dieser These diametral. Auch die Zusicherung, man werde die Olympischen Winterspiele im Wallis umweltverträglicher als sonst durchführen, hat nicht verfangen. Zu unglaubwürdig waren diese Aussagen und zu angeschlagen das Ansehen des Olympischen Komitees. 

Ich will nicht alles und jedes in den gleichen Topf werfen, auch nicht jene aus der schweizerischen Politik, die unerschütterlich glaubten, die zustimmende Mehrheit im Sack zu haben. Sonderbar waren tags darauf die Reaktionen jener, die an vorderster Front für die Olympischen Spiele im Wallis kämpften. Man werde möglicherweise in drei oder fünf Jahren das Anliegen wieder aufnehmen. Selbstverständlich kann man dies, aber ich würde heute jede Wette eingehen, der Entscheid an der Urne wäre der gleiche. Sonderbar vor allem auch, wenn solche Meinungen aus den Kreisen der SVP-Prominenz kommen. Wie war es doch mit dem Umsetzen der Masseneinwanderungsinitiative, haben nicht die gleichen Leute oder andere aus der gleichen Partei zum Teil mit Recht kritisiert, Volksentscheide würden nicht umgesetzt? Mutiger und auch sachgerechter wäre es einzugestehen, dass solche sportliche Massenveranstaltungen in der Schweiz nicht mehr erwünscht sind. 

Das Geld war sicher einer der Gründe, aber beileibe nicht der einzige und vermutlich nicht einmal der ausschlaggebende. Vielmehr wird zunehmend erkannt, dass die Zukunft des für unser Land wichtigen Tourismus in der qualitativen Förderung liegt. Auch die Behauptung, mit den Olympischen Spielen im Wallis würden die touristischen Bemühungen verstärkt oder erhielten gar eine neue und verstärkte Dimension, war wenig hilfreich. Als ehemaliger Solothurner Regierungsrat erinnere ich mich lebhaft an die im Vorfeld der Expo gehegten Hoffnungen, diese würde für die Region von Yverdon, MurtenBiel und Solothurn neue touristische Perspektiven eröffnen. Geblieben ist sicher nicht nichts, aber nie das, was man sich im Vorfeld erhoffte. 

Das Wallis hat die Zeichen der Zeit erkannt. Nicht «man sollte und man müsste», sondern man muss. Nicht erst morgen oder übermorgen, sondern heute. Man könnte einen Teil des eingesparten Geldes zur qualitativen Förderung des Tourismus einsetzen. Nicht nur im Wallis, sondern in der ganzen Schweiz.