Die Untertreibung des Jahres? Die zurückgetretene Postchefin Susanne Ruoff kann sie für sich verbuchen. «In einer Ecke der Postauto AG ist etwas Unrechtes geschehen», sagte sie im Februar. Damals hatte das Bundesamt für Verkehr festgestellt, dass die Postauto AG über Jahre hinweg mindestens 78 Millionen Franken zu viel an Subventionen eingestrichen hat. Das hat sie mit widerrechtlichen Gewinnverschiebungen gemacht. Intern war bekannt, dass die Buchhaltungstricks (sie wurden wahlweise als «strategische Korrekturen» oder «Creative Accounting») bezeichnet) in der «Buchungsperiode 15» stattfanden.

Viele Leute wussten, was die «Buchungsperiode 15» bedeutet: Tricksereien. Einer der schockierendsten Befunde der gestern publizierten Untersuchungen ist denn auch, wie gross der Kreis der Wissenden wahr. Und dass niemand das Tun hinterfragte. Das Tricksen gehörte fest zur Postautokultur. Die Umbuchungen wurden als normal empfunden.

Die zweite wichtige Erkenntnis: Die Untersuchung bestätigt, dass die Konzernleitung davon wusste. Spätestens, als der Preisüberwacher zu hartnäckig nachfragte, woher die hohen Gewinne in der Sparte «Übriges» kamen, wurde der Druck zu hoch. Doch anstatt, dass die illegalen Umbuchungen gestoppt wurden, diskutierte die Konzernleitung 2013 einfach neue juristische Strukturen, zwecks «Gewinnsicherung». Das mutet wie eine Realsatire an. Entweder die obersten Bosse verstanden nicht, was sie diskutierten. Oder die rechtliche Beurteilung war ihnen egal. Klar ist nur: Der Skandal fand nicht in irgendeiner unkontrollierten Ecke eines weitverzweigten Konzernes statt.

Dass Ruoff und die Postauto-Geschäftsleitung gehen mussten, ist richtig. Aber es ist erst ein Anfang. Eine Unternehmenskultur ändert man nicht von heute auf morgen.