Polemik

Der Herren-Schal ist unser Arschgeweih

Herren-Schals findet man nicht nur bei Fussball-Trainern.

Sinkt das Quecksilber auf unter 10 Grad, geht Mann nicht mehr ohne Schal aus dem Haus.

Gestern Morgen habe ich mal wieder feststellen müssen, zu welch winzig kleiner Minderheit ich gehöre. Ein Aussenseiter. Als Mann, der bei Temperaturen von plus acht Grad ohne Schal aus dem Haus geht, gehört man einfach nicht dazu. An der Tramhaltestelle schaute ich mich um. War ausser mir vielleicht doch einer so todesmutig und hat sich getraut, mit nacktem Hals die Wohnung zu verlassen? Nein. Mit mir warteten: Ein blauer Schal, ein bunter Schal, ein über die Schulter geworfener Schal, ein Kragen — unter dem sich sicher auch ein ums Genick gebundener Baumwollfetzen verbarg.

Was soll das mit dem Herren-Schal bei plus acht Grad? Bei diesen Temperaturen ist sicher noch keinem von uns der Adamsapfel eingefroren. Ausserdem ist es zusammen mit dem Vollbart eh doppelt gemoppelt. Klar, es ist Mode. Das ist ja auch in Ordnung. Aber muss man sich wirklich fast zwanghaft ein Stück Stoff um den Hals wickeln, sobald das Thermometer in den einstelligen Bereich abtaucht? Der Herren-Schal, so scheint es, ist unser Arschgeweih. Der Unterschied ist, wir können es auch mal zu Hause lassen. Könnten.

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