Kommentar

Der Fifa-König und die Demokratie

EX-FIFA Präsident Sepp Blatter.

EX-FIFA Präsident Sepp Blatter.

Fifa-Chef Gianni Infantino reichte Klage gegen Sepp Blatter ein – nur kam die dort nie an. Ging es Infantino also nur um den Wirbel? So oder so, beim beim Weltfussballverband ist etwas faul.

Es war ein Vorweihnachtsgeschenk der speziellen Sorte, das der Weltfussballverband Fifa unter Gianni Infantino Mitte Dezember schlagzeilenträchtig präsentierte: Die Fifa-Klagen gegen Sepp Blatter und gegen Michel Platini, ehemaliges Fussballidol aus Frankreich.

Zwei Millionen Franken soll das Duo zurückzahlen. Denn das Geld sei 2011 unter Blatter «ungerechtfertigt» an Platini geflossen. Es war ein grosses Tamtam mit einem Schönheitsfehler. Bis heute hat Blatter – im Unterschied zu Platini – die angeblich von der Fifa eingereichte Klage nicht erhalten. Auch seine Anwälte nicht. Ging es Infantino etwa nur um den Wirbel? So oder so ist etwas faul beim Weltfussballverband.

Seit 2015 ermittelt die Bundesanwaltschaft wegen der Zahlung. Warum klagte die Fifa, wenn schon, nicht viel früher? Warum erst jetzt, da Platini seine Fifa-Sperre abgesessen hat und offen damit droht, Infantino vom Fifa-Thron zu stossen? Wie auch immer: Der neue Fifa-Monarch gibt den Saubermann, schreckt selbst aber nicht vor zwielichtigen Methoden zurück, um seine Macht zu erhalten.

Dazu gehören die von ihm selbst über einen Mittelsmann initiierten Geheimtreffen mit Bundesanwalt Michael Lauber. Infantino nimmt damit bewusst in Kauf, eine Schweizer Institution wie die Bundesanwaltschaft aus Eigennutz zu unterminieren.

Nach dem Motto: Ich bin der Fussballkönig, was kümmern mich Rechtsstaat und Demokratie.

Meistgesehen

Artboard 1