Polemik

Demokratie als Ausrede

«Die meisten Seelisberger (Bild aus der Gemeindeversammlung) wollen offenbar von einer Flüchtlingsunterkunft in ihrem Dorf nichts wissen. Das mag ihr demokratisches Recht sein. Zu meinen, das Elend in der Welt gehe einen nichts an, ist nicht verboten. Diese Haltung aber mit der demokratischen Tradition der Schweiz zu begründen, ist zynisch.»

«Die meisten Seelisberger (Bild aus der Gemeindeversammlung) wollen offenbar von einer Flüchtlingsunterkunft in ihrem Dorf nichts wissen. Das mag ihr demokratisches Recht sein. Zu meinen, das Elend in der Welt gehe einen nichts an, ist nicht verboten. Diese Haltung aber mit der demokratischen Tradition der Schweiz zu begründen, ist zynisch.»

In der Urner Gemeinde Seelisberg konnte vorletzte Woche eine Informationsveranstaltung zum geplanten Asylbewerberheim auf Druck der Bevölkerung gar nicht durchgeführt werden.

Nicht nur Kommentarschreiber im Netz begründeten die wütenden Proteste in Seelisberg mit dem traditionellen Recht der Schweizer auf Demokratie. Wie demokratisch es tatsächlich ist, eine Informationsveranstaltung der Kantonsregierung durch Gesprächsverweigerung zu verhindern, wäre eine andere Frage.

In Zeiten der Not zusammenstehen und denen eine Hand reichen, die dies dringend nötig haben, würde zur Tradition unseres Landes passen. Aber diese Tradition scheint im Augenblick in der Schweiz wie in vielen Teilen Europas nicht mehrheitsfähig zu sein.

Die meisten Seelisbergerinnen und Seelisberger wollen offenbar von einer Flüchtlingsunterkunft in ihrem Dorf nichts wissen. Das mag ihr demokratisches Recht sein. Zu meinen, das Elend in der Welt gehe einen nichts an, ist nicht verboten. Diese Haltung aber mit der demokratischen Tradition der Schweiz zu begründen, ist zynisch.

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