Samstag in Hamburg. 57'000 Zuschauer im ausverkauften Volksparkstadion. Der erstmalige Abstieg des HSV aus der Bundesliga ist unabwendbar. Vielleicht, weil Verlieren in der Fussballwelt mit ihrer übersteigerten Bedeutung kaum noch eine Option ist, legen die Hamburger Chaoten los. Pyros fliegen auf den Platz. Es scheint, als würden Teile des Stadions brennen. Der Schiedsrichter unterbricht, die Spieler flüchten in die Garderobe, die Polizei sichert den Platz. Trotzdem wird die Partie nach einem längeren Unterbruch zu Ende gespielt – keine Macht den Chaoten. 

Sonntag in Lausanne. 2850 Zuschauer auf der Pontaise. Als klar wird, dass Lausanne keine Chance mehr auf den Klassenerhalt hat, stürmen Chaoten den Platz. Der Schiedsrichter unterbricht, die Spieler suchen Schutz in den Katakomben, die Polizei ist ... ja, wo war die Polizei? Nach 20 Minuten Pause bricht der Schiedsrichter die Partie ab – alle Macht den Chaoten. 

Wenn 20 Chaoten in Lausanne einen Spielabbruch provozieren, ist einiges faul im Staate Fussball. Wie die Krawallmacher ein, zwei Meter von den Sicherheitskräften entfernt vorbeistürmen, befremdet. Die Tatenlosigkeit jener, die für die Sicherheit sorgen sollten, ist schlicht skandalös. Die Chaoten indes werten den Spielabbruch – unabhängig des Abstiegs – als Triumph. Unser Fussball gewinnt aber erst an gesellschaftlicher Bedeutung, wenn Chaoten keine Macht mehr haben. Doch so lange diese – im schlimmsten Fall – mit einer Busse davonkommen, wenn sie Polizisten attackieren, muss man sich nicht wundern.