Suchtexperten sind in Sorge: Schweizerinnen und Schweizer blicken zu tief ins Glas, der Raucher-Rückgang stagniert und eine Cannabis-Strategie lässt sich nicht erkennen. Mehr noch: Statt den Konsum weiter einzudämmen, drohten wegen Liberalisierungstendenzen mehr Süchtige.

Auch Politiker sind besorgt. Zum Beispiel SVP-Mann Claudio Zanetti. Er bangt um das Wohl der einheimischen Brauerzunft. Mit der Biersteuer werde ihr eine willkürliche Abgabe aufgedrückt. Sie gehöre abgeschafft. Ohne auch nur ein Wort über die Probleme billigen Alkohols zu verlieren, formuliert er das in seiner Forderung an den Bundesrat so: «Eine steuerliche Entlastung ist eine Ermutigung an die Adresse der Bierbrauer, die Kundinnen und Kunden weiterhin mit ihren ausgezeichneten Innovationen zu beleben und zu erfreuen.» Zu Deutsch: Sauft Leute, sauft! 

Weder ist es angezeigt, den Alkoholkonsum durch Deregulierung anzukurbeln, noch das Leben der Menschen mittels neuer Gesetze oder Verboten unnötig einzuschränken. Eine Sucht ist ernst zu nehmen. Wer süchtig ist, braucht Unterstützung. Heute aber werden im Namen der Prävention bereits sämtliche Konsumenten bevormundet: Auf dem Perron gibt es bald keine Zigi mehr und in Bahnhofshops wird das Bier nach 22 Uhr hinter Gitter verbannt. 

Es ist doch so: Niemand wünscht sich die Raucherzüge zurück. Und längst haben wir uns an Alkoholverkaufsverbote gewöhnt. Mit den Einschränkungen haben wir uns zwar arrangiert und sie müssen auch nicht gleich wieder weg – das ist aber noch lange kein Grund, gleich nach neuen zu rufen.