Kommentar

Aus Tamedia wird «TX Group»: Der neue Zürcher Techkonzern

Das Medienhaus "Tamedia" heisst künftig "TX Group". (Archivbild)

Das Medienhaus "Tamedia" heisst künftig "TX Group". (Archivbild)

Die Tamedia benennt ihren Holdingkonzern um. Der Name ist nicht nur gewöhnungsbedürftig, seine Wahl ist auch bemerkenswert.

Der «Tages-Anzeiger»-Konzern erfindet sich neu. Aus einem klassisch strukturierten Medienunternehmen wird ein dezentral organisierter Technologiekonzern. Zumindest der neue Holdingname «TX Group» verspricht dieses neue Selbstverständnis des weiterhin von einer Familie dominierten, aber börsennotierten Unternehmens. Der Name ist nicht nur gewöhnungsbedürftig, seine Wahl ist auch bemerkenswert.

Im Ritt durch die Geschichte zeigt sich die schrittweise Entfernung vom publizistischen Namenskern: Aus der Tages-Anzeiger AG wurde die TA-Media, dann die Tamedia und nun die TX Group. Die Tamedia bleibt bloss als Tochterfirma erhalten, in der das traditionelle Zeitungsgeschäft gebündelt wird.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass dieses rückläufige, margenschwach bis latent defizitäre und wohl bald subventionierte, einstige Stammgeschäft zur Disposition steht. Wenn auch nicht heute, so doch morgen. Am Horizont zeichnet sie sich ab: die grosse Schweizer Zeitungsholding.

Und doch versteckt sich in der Entwicklung mehr Kontinuität als vermeintliche Disruption. Publizistik war der Stammfamilie Girardet/Coninx/Supino immer ein Mittel zum Zweck. In der Wahl «Zwischen Geld und Geist» (so heisst die Firmengeschichte von 1993) obsiegte stets Ersteres.

Nun zwingt die Digitalisierung zum Wechsel des Mittels: Statt publizistische Inhalte sind es nun technologisch getriebene Produkte wie personifizierte Werbung oder Rubrikenplattformen, die das Geld in die Familienkasse treiben.

Die ironische Pointe der Geschichte: Der Journalismus wird nicht zwingend darunter leiden. Befreit vom Zwang, den Shareholder-Value zu maximieren, kann er eher sein, was er zu sein hat: ein Service-public.

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