Schweizer Fussball

Analyse zum Zustand der Super League: Wer hat, dem wird gegeben

Der FC Basel jubelte am 25. Mai über den Gewinn des Schweizer Cups.

Der FC Basel jubelte am 25. Mai über den Gewinn des Schweizer Cups.

Langweilig. Öde. Uninteressant. Auf die Super League wird gerade wieder einmal herzhaft eingeprügelt. Es stimmt ja auch: Die Dominanz des FC Basel, zuletzt drei Mal mit mindestens zwölf Punkten Vorsprung Meister geworden, ist erdrückend. Die Sehnsucht nach einem packenden Titelrennen mit Finalissima à la 2006 (FCB – FCZ 1:2) oder wie 2010 (YB – FCB 0:2) ist gross. Die Spannung ist nun mal das Salz in der Suppe.

Das schlägt sich auf die Zuschauerzahlen nieder. Acht der zehn Klubs registrieren einen schlechteren Besuch als in der vergangenen Spielzeit. Erstmals seit sieben Jahren ist der Schnitt unter 10'000 gesunken. Das hat zwar mit der Absenz des FC Zürich zu tun, aber auch damit, dass der Super League Salz und Pfeffer fehlen und vielen Partien die Intensität. Immer mehr der besten Schweizer zieht es ins Ausland, was zwar der Nationalmannschaft hilft, nicht aber der Ligaqualität. Erstmals seit längerer Zeit hat kein Schweizer Klub europäisch überwintert.

Fussball-Langeweile ist kein Schweizer Phänomen

Zurück zur Langeweile. Viele andere Ligen kennen sie auch. Sie ist kein schweizerisches Phänomen. In Italien weiss jedes Kind, dass Juventus Meister wird, in Griechenland hat Piräus in den letzten zwanzig Jahren achtzehn Mal den Titel geholt und in Österreich Red Bull Salzburg das Abonnement dafür. Was die deutsche Bundesliga betrifft, hat Carlo Ancelotti vor zwei Jahren, als er noch nicht in München Trainer war, gesagt: «Der FC Bayern wird die Bundesliga gewinnen, ohne die Hände aus der Hosentasche zu nehmen.» Die Zahl der Titelkandidaten hat sich in fast allen Ländern drastisch reduziert. Worauf aber ist diese Entwicklung zurückzuführen?

Die Antwort: Auf die Strategie des europäischen Verbandes, die Prämien seiner Wettbewerbe ständig zu erhöhen, die Differenz zwischen Champions League und Europa League immer grösser und die absoluten Spitzenklubs immer reicher werden zu lassen. Nach dem Prinzip: Wer hat, dem wird gegeben. Die Folge davon ist, dass die Schere sich immer weiter öffnet. Hier der FC Basel, der seine immensen Champions-League-Einnahmen so geschickt nützt, dass weiterer Erfolg garantiert ist und im internationalen Schaufenster Talente reifen können, die zu horrenden Transfergewinnen führen. Dort der FC Lausanne-Sport, der in der Bruchbude Pontaise zusehen muss, wie er über die Runden kommt. Es ist nicht anzunehmen, dass sich an diesem beklagenswerten Zustand in den nächsten Jahren etwas ändert. Bei uns nicht, im Ausland nicht. Das Geschäftsmodell des Fussballs ist die freie Marktwirtschaft. Eingriffe wie im amerikanischen Sport sind nicht gefragt. In Nordamerika zum Beispiel gibt es zwischen den Spielzeiten den Draft, bei dem das am schlechtesten platzierte Team sich als erstes aus dem Topf der angebotenen Spieler bedienen darf.

Die Prämien im Europacup müssen anders verteilt werden

Geht es bei uns im selben Stil weiter, werden die nationalen Verbände und die Uefa indes nicht darum herumkommen, ähnliche Wege einzuschlagen, wollen sie eine totale Verödung der Ligen verhindern. Die Prämien im Europacup müssten anders verteilt werden. Statt dass die Uefa sie an die Klubs überweist, sollten die Verbände sie gemäss Solidaritätsprinzip weiterleiten. Dasselbe hätte dann mit den Fernsehmillionen zu geschehen. Wenn die Krösusse argumentieren, sie brauchten das Geld für teure Spieler, um international mitzuhalten, blenden sie aus, dass ihnen vor allem auch eine ausgeglichene nationale Liga dafür helfen würde.

Unabhängig von solch grundsätzlichen Eingriffen überlegen sich hierzulande Verbands- und Klubvertreter kosmetische Massnahmen, um den Fussball attraktiver zu machen. Mit der Wiedereinführung der Barrage zwischen Super League und Challenge League wäre bereits einiges zu erreichen − wenn auch nicht im Titelrennen. Dass nach 14 Spielzeiten mit der Zehnerliga über einen neuen Modus nachgedacht wird, ist legitim. Zumal sich punkto Stadien seit der letzten Ligareform vieles zum Positiven gewendet hat und eine Vergrösserung der Super League daher nur logisch ist.

Die Krux: Wir haben nicht wie andere Länder das Potenzial für eine Liga mit 18 bis 20 Profiteams. Mehr als 12 bis 14 gibt der Markt nicht her. Unter dieser Prämisse einen attraktiven und gerechten Modus zu kreieren, bedeutet: das Ei des Kolumbus finden.

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