Kinderbetreuung

Elternbeiträge sind ein Standortfaktor

Den Kindern ist Wurst, wer was bezahlt; Hauptsache ist, die Zeit in der Kita macht Spass. (Symbolbild)

Den Kindern ist Wurst, wer was bezahlt; Hauptsache ist, die Zeit in der Kita macht Spass. (Symbolbild)

Bei Kinderkrippen werden Eltern je nach Gemeinde unterschiedlich zur Kasse gebeten. Einige kennen keine Subventionsbeiträge. Das sei Privatsache. Ist das sinnvoll und zeitgemäss? Der Kommentar.

Verdutzt reagiert der Gemeindeschreiber von Oberrohrdorf auf die Frage, ob seine Gemeinde Subventionsbeiträge für einkommensschwächere Familien bei der Kinderbetreuung kenne. «Ich verstehe nicht recht, weshalb sollten wir Familien unterstützen? Das ist doch Privatsache.»

Diese Sichtweise herrscht offenbar noch in vielen Gemeinden des Bezirks Baden vor. Zwar kennen Gemeinden wie etwa Baden, Wettingen oder Würenlos Subventionen. Doch knapp die Hälfte aller Gemeinden kennen keine Beiträge für Eltern, die ihre Kinder in einer Krippe betreuen lassen wollen bzw. müssen.

Die Gegner von Subventionsbeiträgen argumentieren gleich wie der Gemeindeschreiber: Familie sei Privatsache. Das trifft insofern zu, als jede Familie ihr Familien-Modell selber wählen soll. Und ja, sie soll nach Möglichkeit selber für ihren Lebensunterhalt aufkommen. Hinzu kommt, dass die Bedürfnisse auch nicht in jeder Gemeinde gleich sind.

Und doch greift die Argumentation zu kurz. Denn ob eine Gemeinde Familien bei der Kinderbetreuung finanziell unterstützt oder eben nicht, kann zum entscheidenden Standortfaktor werden. Wenn eine junge Familie einen Wohnort sucht, wo sie langfristig leben will, sind Gemeinden, die Subventionsmodelle kennen, im Vorteil. Denn was machen eine paar Steuerfussprozente mehr schon aus, wenn die Gemeinde die Familie dafür monatlich mit ein paar hundert Franken unterstützt.

Letztlich steht es ja jedem Bewohner einer Gemeinde frei, auf demokratischem Weg für Subventionen zu kämpfen. Und der gesellschaftliche Wandel zeigt klar in diese Richtung. Gut möglich, dass der gleiche Gemeindeschreiber bei der gleichen Frage in ein paar Jahren wieder überrascht reagiert – dann aber, weil die Unterstützung längst selbstverständlich geworden ist.

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