Wilson Edwards
China benutzt Schweizer Star-Biologen für Propaganda – diesen gibt es aber gar nicht

Chinesische Staatsmedien berufen sich auf einen Schweizer Biologen namens Wilson Edwards. Bis die Schweizer Botschaft in Peking interveniert. Sie spricht von einer Falschmeldung.

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Ein Facebook-User namens Wilson Edwards erhebt am 24. Juli schwere Vorwürfe an die USA: Sie würden die Untersuchung zur Herkunft des Coronavirus politisieren, um China zu diskreditieren. Weiter übe die USA massiven Druck auf die Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus, damit diese der Labor-Theorie (wonach das Coronavirus aus einem Labor in Wuhan stamme), mehr Gewicht verleihe.

Weiter sagt er: «Forscherkollegen beklagten sich darüber, dass sie enormem Druck und sogar Einschüchterungen vonseiten der USA und bestimmter Medien ausgesetzt waren.»

Wieso ist das wichtig? Edwards behauptet von sich, Schweizer Biologe zu sein. In chinesischen Staatsmedien wurde der Facebook-Post breit zitiert, Edwards wird als namhafter Biologe beschrieben und als unabhängiger Experte inszeniert.

Edwards wird etwa von der Nachrichtenagentur Xinhua, «Global Times», «China Daily» und dem Fernsehsender CGTN zitiert.

Gesuchter Mann in China: Wilson Edwards. bild: hongkongfp

Gesuchter Mann in China: Wilson Edwards. bild: hongkongfp

Die Schweizer Botschaft schaltet sich ein

Die Berichterstattung rund um Wilson Edwards nahm solche Ausmasse an, dass sogar die Schweizer Botschaft in Beijing darauf aufmerksam wurde. Man wurde neugierig und fragte sich: Wer ist Wilson Edwards?

Die Nachforschungen ergaben keine Ergebnisse und so wandte sich die Botschaft am Dienstag via Twitter an die Öffentlichkeit:

«Auf der Suche nach Wilson Edwards, angeblich Schweizer Biologe, zitiert in der Presse und Sozialen Medien in China während der letzten Tage. Falls Sie existieren: Wir würden Sie gerne kennenlernen! Aber es ist wahrscheinlicher, dass das Fake News ist und wir appellieren an die chinesische Presse und Internetnutzer, die Posts zu löschen.»

In einem beigefügten Dokument wird ausgeführt:

  • Es gibt keinen Eintrag eines Schweizer Bürgers unter dem Namen «Wilson Edwards».
  • Es gibt keine akademischen Artikel im Feld der Biologie unter diesem Namen.
  • Edwards Facebook-Account wurde am selben Tag wie sein kritischer Post eröffnet und hat nur diesen einen Post verfasst. Ausserdem hat er nur drei Freunde.

Die Botschaft fügte die Bitte an, die entsprechenden Artikel zu löschen und ein Korrigendum zu veröffentlichen.

Die Reaktionen

Daraufhin löschten CGTN, «People's Daily» und «China Daily» die Verweise auf Edwards. Und «Global Times» löschte gleich den Artikel. Ein Statement der Medien blieb jedoch aus.

Ebenfalls gelöscht wurde der Facebook-Account von Edwards.

Die Häme unter dem Tweet der Schweizer Botschaft ist derweil gross. «Hätten sie nicht zumindest einen Schweizer Namen wie ‹Hans› verwenden können?», spottet ein Twitter-User. Andere wunderten sich darüber, wieso es schon wieder die Schweiz trifft. Im Mai stellte «China Daily» Brienz als chinesisches Bergdorf vor.

Zur Causa Edwards witzelt ein Twitter-User: «Es ist nicht das erste Mal, dass ‹China Daily› so was abgezogen hat. Aber es ist das erste Mal, dass jemand es ernst genommen hat.» (jaw/watson.ch)

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