USA
Elon Musk gibt klein bei: Nun will der Tausendsassa den Kurznachrichtendienst Twitter doch kaufen

Überraschende Wende: Kurz vor Beginn eines Prozesses vor einem Wirtschaftsgericht im US-Bundesstaat Delaware erneuert der Unternehmer Elon Musk sein Kaufangebot für Twitter.

Renzo Ruf, Washington
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Also doch: Elon Musk will den Kurznachrichtendienst Twitter kaufen, zu den ursprünglich vereinbarten Bedingungen.

Also doch: Elon Musk will den Kurznachrichtendienst Twitter kaufen, zu den ursprünglich vereinbarten Bedingungen.

Susan Walsh / AP

Man muss es Elon Musk lassen: Der reichste Mann ist immer für eine Überraschung gut. Am Dienstag, als seine umstrittenen Vorschläge zur Beendigung des Ukraine-Krieges noch immer für grosse Aufregung sorgten, legte Musk den monatelangen Streit um die Übernahme des Kurznachrichtendienstes Twitter bei. Er erneuerte sein Angebot, 54.20 Dollar pro Aktie zu bezahlen und das Internet-Unternehmen von der Börse zu nehmen, wie einer Eingabe bei der Börsenaufsicht SEC zu entnehmen ist. Musk besitzt bereits gegen 73 Millionen Twitter-Aktien oder umgerechnet 9,6 Prozent des Unternehmens.

Nach einer mehrstündigen Handelspause stieg der Kurs der Twitter-Aktie an der New Yorker Börse um mehr als 22 Prozent an. Das Wertpapier kostete am Dienstag 52 Dollar und notierte damit mehr als 2 Dollar unter dem Preis, der Musk bezahlen will. Angeblich trauen einige Händlerinnen und Händler dem Milliardär immer noch zu, dass er sein Versprechen erneut brechen wird, Twitter zu den ursprünglichen Konditionen zu kaufen. Zuvor hatten Musks Anwälte die Rechtsvertretung von Twitter in einem kurzen Brief über seine Kehrtwende informiert, ohne weitere Konzessionen zu fordern.

Diese Woche hätte Musk aussagen müssen

Musk hatte im Frühjahr bekanntgegeben, dass er Twitter übernehmen wolle und – als Super-User des Kurznachrichtendienstes – eine Plattform für den freien Meinungsaustausch schaffen werde. Am 25. April wurde die entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. Rund zwei Monate später zog Musk aber sein eigentlich verbindliches Kaufangebot wieder zurück. Der offizieller Grund für diese erste Kehrtwende: Twitter habe falsche Angaben über die Zahl der Twitter-Konten gemacht, hinter denen keine Bots stecken, behauptete Musk.

Die Twitter-Konzernführung allerdings wies diesen Vorwurf scharf zurück, pochte auf die Einhaltung des Kaufvertrages und strengte einen Prozess vor dem Wirtschaftsgericht in Delaware an. In diesem Verfahren, das am 17. Oktober hätte beginnen sollen, sah sich der Tesla-Gründer zunehmend in der Defensive. So wurden vorige Woche Direktnachrichten veröffentlicht, die ein unvorteilhaftes Bild des angeblich hochbegabten Unternehmers zeichneten.

Ende dieser Woche hätte Musk von Twitter-Anwälten einvernommen werden sollen. Dem ist er nun zuvor gekommen.