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Brisantes Interview: US-Präsident Joe Biden nennt Wladimir Putin einen Mörder

Ein neuer Geheimdienstbericht belastet den Kremlchef wegen seiner Einmischung in die Präsidentschaftswahl schwer - US-Präsident Biden droht mit Konsequenzen.

Fabian Hock
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Wünschte sich Trumps Wiederwahl: Wladimir Putin.

Wünschte sich Trumps Wiederwahl: Wladimir Putin.

Bild: AP (15. März 2021)

«Ich schaue Ihnen in die Augen und ich glaube nicht, dass Sie eine Seele haben.» Das sagte Joe Biden zu Wladimir Putin bei einem Besuch in Moskau. «Wir verstehen uns», entgegnete Putin mit einem Lächeln.

Zehn Jahre ist dieser Austausch her. An die Begegnung mit dem Kremlchef, der damals vorübergehend das Amt der Premierministers ausübte, erinnert sich US-Präsident Joe Biden, damals Aussenminister, noch immer sehr genau. Und eine Seele hat er bei Putin bis heute nicht ausgemacht. Auf die Frage, ob er Putin für einen «Killer» halte, sagte Biden in einem am Mittwoch ausgestrahlten Fernsehinterview mit dem US-Sender ABC knapp: «Das tue ich».

Joe Biden im Interview mit dem US-Sender ABC.

abcnews

Eine Drohung in Richtung Moskau schickte Biden direkt hinterher: Putin werde einen Preis bezahlen. «Seien Sie vorbereitet», so Bidens Botschaft an den russischen Präsidenten.

Verdeckte Operationen genehmigt

Hintergrund der scharfen Worte des amerikanischen Staatschefs ist ein neuer Bericht des US-Geheimdienstes, der zum Schluss kommt, dass sich Russland massiv für die Wiederwahl von Donald Trump eingesetzt hat und versuchte, Joe Biden zu schaden. Der damalige Präsident Trump hatte sich stets geweigert, eine harte Linie gegenüber Moskau zu fahren.

Laut dem Bericht hat Putin verdeckte Operationen zur Beeinflussung von Personen aus dem Umfeld von Trump autorisiert. Um wen es sich dabei genau handelt, geht aus dem Bericht nicht hervor. Zumindest nicht direkt: US-Medien meinen, es müsse sich bei der Zielperson um Trumps Anwalt Rudy Giuliani handeln. Dieser hatte Biden im Wahlkampf immer wieder der Korruption bezichtigt und die Nähe von Bidens Sohn Hunter zu Geschäftsleuten in der Ukraine thematisiert.

Auch die Chinesen wollten manipulieren

Dem Kreml sei es darum gegangen, die Wahrnehmung der amerikanischen Öffentlichkeit zu beeinflussen. Und nicht nur die Russen hätten es versucht: Auch der Iran und sogar China hätten ähnliche Versuche unternommen. Den Chinesen sei es dann jedoch zu heiss geworden: Eine Chance auf Erfolg hätten sie letztlich nicht gesehen, konstatiert der Geheimdienstbericht. Bevor der Schuss für Peking nach hinten losginge, hätten sie ihre Versuche lieber eingestellt.

Die Erkenntnis aus früheren Berichten, der Kreml favorisiere die Wiederwahl von Donald Trump und setze sich aktiv dafür ein, wird von dem neuen Geheimdienstbericht bestätigt. Bestätigt wird allerdings auch, dass es keine von aussen gesteuerte direkte Manipulation bei der Stimmabgabe im vergangenen Jahr gegeben habe.

So deutlich Biden am Mittwoch gegenüber Putin wurde, so vage blieb er indes bei der Benennung von konkreten Konsequenzen für den Kremlchef. «In Kürze» werde man sehen können, welchen Preis Putin zahlen muss, so Biden.

Moskau wies die Anschuldigungen umgehend zurück. Der US-Bericht sei «falsch, absolut unbegründet und haltlos», sagte ein Kremlsprecher laut der russischen Agentur Interfax am Mittwoch in Moskau.