Syrien
Terrormiliz IS stiehlt 11'000 leere Pässe

Der sogenannte Islamische Staat hat Tausende noch nicht verwendete Ausweispapiere gestohlen. Die Blanko-Dokumente könnten nach ihrer Beschriftung von Terroristen zur Einreise nach Europa genutzt werden.

Michael Wrase, Limassol
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2014 noch zerstörten IS-Kämpfer vor den Kameras von Vice-News ihre Pässe als Zeichen ihrer Unabhängigkeit. Nun wollen sie offenbar versuchen, mit gefälschten Pässen in fremde Länder einzureisen.

2014 noch zerstörten IS-Kämpfer vor den Kameras von Vice-News ihre Pässe als Zeichen ihrer Unabhängigkeit. Nun wollen sie offenbar versuchen, mit gefälschten Pässen in fremde Länder einzureisen.

HO

Die Terrormilizen des sogenannten Islamischen Staat (IS) sollen nach einem Bericht der «Bild am Sonntag» (BAMS) bei ihren Raubzügen während des andauernden syrischen Bürgerkrieges mehr als 11'000 syrische Blanko-Pässe erbeutet haben. Es handelt sich dabei um echte Dokumente, welche noch leer sind, aber nach ihrer «Beschriftung» mit Personendaten zur Einreise nach Europa genutzt werden könnten. Fälscher sind in der Lage, die fehlenden Angaben (zum Beispiel den angeblichen Namen des Passbesitzers) in den Blankopässen einzutragen.

Voraussetzung dafür, dass die manipulierten Pässe zur Einreise nach Europa gebraucht werden können, ist jedoch ein Einreisevisum, welches in den Pass eingeklebt werden müsste. Die Gefahr, dass dies geschieht, ist aber relativ gering, da die offenbar fortlaufenden Seriennummern der 11'000 vom IS gestohlenen Blanko-Pässe den deutschen Behörden bekannt sind. Sie wurden auch an die Datenbanken der Sicherheitsbehörden im gesamten Schengen-Raum, also auch in die Schweiz, nach Österreich und nach Luxemburg, weitergeleitet.

Die Regierung in Berlin hatte die diplomatischen Beziehungen zu Syrien nach dem Beginn des Volksaufstandes vor mehr als sechs Jahren abgebrochen. Die von Insidern als «ausgezeichnet» beschriebenen Kontakte zwischen den syrischen Geheimdiensten und dem Bundeskriminalamt (BKA) wurden jedoch aufrechterhalten und in den drei Jahren sogar noch intensiviert. Zum «Austausch von Informationen» reisen hochrangige BKA-Beamte regelmässig auf dem Landweg von Beirut nach Damaskus.

Reisen Terroristen unbemerkt ein?

Bei der Bekämpfung des IS-Terrorismus, betonen Insider weiter, habe sich Syrien bisher sehr kooperativ gezeigt. Auch die Seriennummern der vom IS erbeuteten Blankopässe dürften staatliche syrische Sicherheitsbehörden nach Berlin übermittelt haben. Dort geht man davon aus, dass «im Zusammenhang der Flüchtlingssituation terroristische Organisationen weiterhin die Möglichkeit nutzen könnten, potenzielle Attentäter oder Unterstützer mit solchen manipulierten Pässen unentdeckt nach Europa einzuschleusen.

Im Regelfall, räumte eine BKA-Sprecherin am Sonntag gegenüber der «BAMS» ein, würden ge- oder verfälschte Pässe jedoch primär dazu genutzt, um illegal in fremde Länder einzureisen. Mit dieser illegalen Einreise seien in den meisten Fällen keine terroristischen Absichten verbunden, betonte die Sprecherin.

Sollte es also zutreffen, dass die Nummern der vom IS erbeuteten Blanko-Pässe im Schengen-Raum (und hoffentlich darüber hinaus) bekannt und abrufbar sind, dann scheint die Gefahr ihrer Benutzung durch Terroristen relativ gering zu sein. Diese sind, wie die Vergangenheit gezeigt hat, aber Meister im Erkennen von undichten Stellen, welche es bei aller Wachsamkeit vermutlich immer wieder geben wird.

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