Neuseeland
Terrorist erwartet eine «miserable Existenz» – ex-Häftlinge erzählen

Als Reaktion auf den Terrorangriff von Christchurch hat die Regierung den Besitz von Hochleistungswaffen verboten. Was auf den Täter im Gefängnis wartet, erzählte ein Ex-Häftling einer ortsansässigen Zeitung.

Urs Wälterlin, Canberra
Merken
Drucken
Teilen
Trauernde haben an einer Gedenkstätte in Christchurch Blumen, Bilder oder Kerzen für die Opfer niedergelegt.
48 Bilder
Trauernde haben an einer Gedenkstätte in Christchurch Blumen, Bilder oder Kerzen für die Opfer niedergelegt.
Trauernde haben an einer Gedenkstätte in Christchurch Blumen, Bilder oder Kerzen für die Opfer niedergelegt.
Ein junger Mann trauert vor einer Absperrung nahe der Al-Nur-Moschee in Christchurch.
APTOPIX New Zealand Mosque Shooting
Abdul Aziz stellte sich dem Attentäter vor der Linwood-Mosche in den Weg, mit einer Kreditkarten-Maschine. Er verhinderte damit Schlimmeres.
Ebenso dieser Mann: Alabi Lateef schlug das Fenster vom Auto des Attentäters ein - die Polizei wurde dadurch auf den Wagen aufmerksam. Dieser wollte an einem dritten Ort weitermorden.
Sie vermissen noch einen Freund, einen Flüchtling, nach dem Attentat.
Blumen zum Gedenken für die Opfer am Botanischen Garten in Christchurch.
Blumen zum Gedenken für die Opfer am Botanischen Garten in Christchurch.
Einen Tag nach den Terroranschlägen auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch ist der 28-jährige Australier Brenton Tarrant am Samstag offiziell des Mordes beschuldigt worden.
Brenton Tarrant formt mit einer Hand im Gerichtssaal das Zeichen der rechtsextremen White-Power-Bewegung.
Der Australier Brenton Tarrant (28) ist ein Todesschütze beim Attentat von Christchurch/Neuseeland. Der Rechtsextreme hat sich bei den Taten selbst gefilmt und dies im Video live gestreamt.
Trauernde vor einem Spital in Christchurch.
Eine Frau, die beim Attentat ihren Ehemann verlor, ist fassungslos.
Blumenmeer von Trauernden in Christchurch.
Diese Nachricht wurde vor dem Spital in Christchurch niedergelegt.
«Das ist nicht Neuseeland»: Vor der Al Noor Masjid Moschee in Christchurch haben Trauernde Blumen zum Gedenken an die Opfer niedergelegt.
Nach Augenzeugenberichten hatte ein Mann zunächst in einer Moschee in der Innenstadt um sich geschossen, wo sich Hunderte Muslime zum Freitagsgebet versammelt hatten.
Später fielen auch noch in einer anderen Moschee Schüsse. Es handelte sich um die Masjid-al-Noor-Moschee im Stadtzentrum und um eine Moschee im Vorort Linwood.
Am Tag nach dem Attentat ist Tarrant vor Gericht erschienen.
Blumenmeer für die Opfer.
Menschen trauern um die Opfer.
Menschen trauern um die Opfer.
Forensiker vor der Al Noor Masjid-Moschee in Christchurch.
Vorbild für Brenton Tarrant: Der norwegische Massenörder Anders Breivik.
Ebenso Vorbild für Brenton Tarrant: Radovan Karadzic, serbischer Kriegsverbrecher.
Die Masjid Al Noor Mosque-Moschee in Christchurch.
Sicherheitskräfte riegelten nach der Tat die komplette Innenstadt von Christchurch ab,
Neuseeländische Medien berichteten von Dutzenden Toten und Verletzten: Um 9.30 Uhr lag die Zahl der Todesopfer bei 49.
Rechter Terror in Neuseeland: Ein Mann weint, als er die Schreckensnachricht am Telefon erzählt.
Die Sicherheitskräfte gaben bekannt, dass vier Verdächtige festgenommen worden seien.
Es handele sich um drei Männer und eine Frau.
Im Internet kursieren ein Video und verschiedene Botschaften, die angeblich von einem der Täter stammen.
Dies ist ein weiterer Screenshot aus dem Video.
Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern verurteilte den Angriff aufs Schärfste. Die sozialdemokratische Politikerin sprach von einem der "dunkelsten Tage" in der Geschichte ihres Landes.
Australiens Premierminister Scott Morrison bestätigt, dass einer der Täter ein Australier ist. Der Angriff sei von einem "extremistischen, rechtsgerichteten, gewalttätigen Terroristen" verübt worden, sagte Morrison er.
Zeugen eines Anschlags werden von der Polizei eskortiert.
Rechter Terror in Neuseeland.
Rechter Terror in Neuseeland.
Rechter Terror in Neuseeland.
Rechter Terror in Neuseeland.
Rechter Terror in Neuseeland.
Rechter Terror in Neuseeland.
Rechter Terror in Neuseeland.
Rechter Terror in Neuseeland.
Rechter Terror in Neuseeland.
Rechter Terror in Neuseeland.

Trauernde haben an einer Gedenkstätte in Christchurch Blumen, Bilder oder Kerzen für die Opfer niedergelegt.

Vincent Thian

Neuseeländischen Schützen ist es ab sofort verboten, Sturmgewehre und halbautomatische Waffen zu besitzen. Das hat Premierministerin Jacinda Ardern am Donnerstag in Christchurch bekannt gegeben. Die Regierung ziehe damit Konsequenzen aus dem Terrorangriff auf zwei Moscheen durch einen rechtsextremen Australier, bei dem vergangene Woche 50 Menschen ums Leben kamen und 30 weitere verletzt wurden. «Jede halbautomatische Waffe, die bei dem terroristischen Anschlag benutzt wurde, wird verboten», so Ardern. Ein entsprechendes Gesetz werde bis zum 11. April in Kraft treten.

Die Regierung kündigte auch ein Rückkaufprogramm an. Wer seine Waffen der Polizei aushändigt, soll dafür entschädigt werden. Für Gewehre, die illegal erworben worden seien, gelte eine Amnestiefrist. Schätzungen zufolge sind in Neuseeland über eine Million Schusswaffen in Privatbesitz. Der rund 40 Minuten nach der Tat festgenommene 28-jährige Mann hatte seine Waffen legal erworben. In Neuseeland ist es möglich, bereits mit 16 Jahren einen Waffenschein zu beantragen.

Vorbild Australien

Neuseeland folgt mit dem Entscheid seinem Nachbarn Australien. Nachdem 1996 auf der Insel Tasmanien ein Amokläufer 35 Menschen erschossen hatte, führte die Regierung ein Rückkaufsprogramm ein. Der Widerstand vor allem in ländlichen Gebieten war gross. Das Argument der Gegner: wegen eines einzelnen Kriminellen würden alle gesetzestreuen Schützen kollektiv bestraft. Heute sind die strengeren Vorschriften indes kaum noch ein Thema. Wer in Australien ein Gewehr besitzen will, muss konkrete Gründe haben, wie etwa einem Beruf in der Landwirtschaft nachzugehen. Halbautomaten sind für den Privatbesitz komplett verboten. Handfeuerwaffen sind nur für bestimmte Berufe und Mitglieder registrierter Schützenklubs zugelassen.

Der Mann, dem der folgenschwerste Amoklauf der jüngeren Geschichte angelastet wird, sitzt Berichten zufolge in einer Isolierzelle im Gefängnis von Christchurch. Er habe weder zu Fernsehen, Radio noch Zeitungen Zugang, so die Behörden. Doch der Mangel an Kontakt zur Aussenwelt sei nicht sein grösstes Problem, so der ehemalige Strafgefangene Paul Wood gegenüber der Tageszeitung «NZ Herald». Den Gefangenen erwarte eine «miserable und einsame Existenz». Andere Häftlinge dürften bereits beschlossen haben, den mutmasslichen Massenmörder anzugreifen, weil er einen hohen Bekanntheitsgrad habe oder weil sie seine Taten für abscheulich hielten. «Für den Rest seines Lebens wird er die Wahl haben zwischen extremer Einsamkeit und konstanter Angst vor einer Attacke», so Wood, der wegen Mordes an einem Drogenhändler zehn Jahre in Haft sass und heute als Berater arbeitet.

Der mutmassliche Amokläufer werde 23 Stunden am Tag in einer Zelle eingeschlossen sein, in der es ausser einer Toilette und einem an der Wand festgeschraubtem Bett aus Stahl praktisch nichts gebe. «Die Wärter dürften angehalten sein, nicht mit ihm zu sprechen», so Wood weiter. «Im Moment dürfte es für ihn unglaublich einsam sein, hirntötend banal und langweilig. Sobald er aber die Erlaubnis erhält, Kontakt mit anderen zu haben, wird jemand versuchen, ihn zu töten.»