Ferrero
Streik in grösster Nutella-Fabrik: Geht jetzt der süsse Aufstrich aus?

Die weltgrösste Nutella-Fabrik wird seit einer Woche bestreikt. Der italienische Hersteller will nicht nachgeben.

Stefan Brändle, Paris
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Bei Nutella droht der Engpass.

Bei Nutella droht der Engpass.

imago/Manfred Segerer

Noch herrscht nirgends Panik, aber langsam bemächtigt sich eine bange Frage der Gemeinschaft der Süssschmecker und Fingerschlecker: Was, wenn das Nutella ausginge? Anlass zur Sorge gibt ein Streik in der weltgrössten Herstellung der Haselnuss-Schokolade-Paste im Ort Villers-Ecalles (Normandie). Dort hat ein Teil der 400 Angestellten Ende Mai die Arbeit niedergelegt. Und nicht nur das, auch die Zufahrt zum Werksgelände ist gesperrt. Seit einer Woche haben es laut den Streikposten keine Lastwagen oder Lieferwagen mehr verlassen.

Die Ausständler verlangen eine Lohnaufbesserung von 4,5 Prozent, eine bessere Bezahlung der Nachtarbeit sowie eine einmalige Kaufkraftprämie von 900 Euro pro Mitarbeiter, wie sie Präsident Emmanuel Macron vor einem halben Jahr im Zuge der Gelbwestenkrise angeregt hatte. Die Geschäftsleitung lehnt dies ab und bietet 40 Euro pro Monat, was einer Lohnaufbesserung um 0,4 Prozent entspräche.

Update

Nach gut einer Woche ist der Streik in der weltweit grössten Nutella-Fabrik in Frankreich beendet. Seit dem frühen Morgen werde im Werk in Villers-Ecalles in der Normandie wieder normal gearbeitet, teilte Ferrero am Mittwoch mit. Ob es zu einer Einigung zwischen den Streikenden und Ferrero kam, wollte das Unternehmen zunächst nicht mitteilen. (sda)

Klage von Ferrero

Am Montagmorgen hat sich die Lage verschärft. Der italienische Nutella-Hersteller Ferrero klagte vor Gericht gegen die Gewerkschaft Force Ouvrière (FO), die am Ursprung der Kommandoaktion ist. Das Streikrecht ist in Frankreich zwar sakrosankt, doch ist es einer Personalminderheit untersagt, die Mehrheit an der Arbeit zu hindern. Die Gewerkschaft spricht von 160 – von insgesamt 400 – Streikenden, die Direktion von bedeutend weniger.

Ein französisches Gericht hat Ferrero recht gegeben und die Möglichkeit bestätigt, die Streikenden mit einem Strafgeld zu belegen, solange sie die Werkzufahrt blockieren. Nach inoffiziellen Meldungen kann die Tagesbusse bis zu tausend Euro pro Beschäftigten erreichen. Ferrero hat am Dienstag die Umsetzung der Busse in Aussicht gestellt.

Vor gut einem Jahr hatte Ferrero in Frankreich bereits Schlagzeilen gemacht, als Supermärkte den Nutella-Topf vorübergehend zu einem Dumpingpreis von 1.41 Euro (statt 4.50) abzustossen begannen. Das führte zu kleineren Krawallen vor den Regalen – und in der Folge zu einem gesetzlichen Verbot solcher Superrabatte.

In Villers-Ecalles werden normalerweise 600'000 Nutella-Gläser am Tag produziert, ein Viertel der weltweiten Produktion durch Ferrero. Beliefert werden die meisten Länder Westeuropas. Dazu fabriziert der kleine Normandie-Ort täglich eine Million Schokoriegel der Marke Kinder-Bueno.

Kinderärzte sind erfreut

Die Herstellung von Nutella ist in Villers-Ecalles laut Angaben der Unternehmensleitung nicht gänzlich zum Erliegen gekommen. Obwohl niemand in Abrede stellte, dass die Versorgung prekär wird, behauptet Ferrero, dass eine von vier Fertigungsschienen nach wie vor in Betrieb sei. Wie die Auslieferung erfolgt, ist allerdings unklar. Hingegen gibt der Süsswarenhersteller aus dem Piemont zu, dass die Herstellung der Kinder-Bueno-Stängel vollständig gestoppt ist.

Nach Einsätzung von Branchenexperten müssen Nutella-Süchtige also vorläufig nicht um Nachschub bangen.

Glücklich ist die Gilde der Kinderärzte: Sie predigt seit langem, die Nutella-Mischung aus 56 Prozent Zucker und 31 Prozent Fettstoffen sei für Kinder gar nicht so bueno.

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