Sputnik V
EU prüft Zulassung von Russen-Impfstoff - bei Swissmedic gibt es noch keinen Antrag

Die Europäische Arzneimittelbehörde startet das Prüfungsverfahren für den russischen Impfstoff Sputink V. In der Schweiz gibt es noch keinen Zulassungantrag von Seiten des Herstellers.

Remo Hess aus Brüssel
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Wie sicher ist der russische Coronaimpfstoff Sputnik V?

Wie sicher ist der russische Coronaimpfstoff Sputnik V?

Keystone

Misstrauen herrschte, als Russland bereits im vergangenen Sommer und damit Monate vor allen anderen erste Bürger und Bürgerinnen mit seinem Coronaimpfstoff Sputink V versorgte. War das alles bloss eine Propaganda-Aktion aus dem Kreml? Oder hatten russische Forscher wirklich in Rekordzeit ein Vakzin gegen das Coronavirus entwickelt? Belastbare Studien gab es keine. Selbst heute ist die Datenlage im Vergleich zu westlichen Impfstoffen noch dürftig, auch wenn eine Untersuchung Anfang Februar eine Wirksamkeit von Sputnik V von über 90 Prozent zeigte.

Vor dem Hintergrund, dass nun immer mehr europäische Länder die Verwendung von Sputnik ansteuern, beginnt die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) mit Sitz in Amsterdam aber die Prüfung. Es handle sich um ein «rollendes review», teilt die EMA mit. In diesem Verfahren werden klinische Studien und Tests fortlaufend analysiert. Die Dauer der Prüfung lag in der Vergangenheit zwischen mehreren Wochen und einigen Monaten. Ist sie erfolgreich, muss der Hersteller aber noch ein offizielles Zulassungsgesuch eingeben. Aus Russland hiess es, man könne ab Juni rund 50 Millionen Impfdosen liefern. Laut der EU-Kommission führe man derzeit jedoch keine Verhandlungen über den Kauf von Sputnik.

Neben Sputnik prüft die EMA derzeit auch die Impfung des US-Herstellers Novavax und von CureVac aus Deutschland. Für kommende Woche wird zudem ein positiver Zulassungsentscheid für den Impfstoff der US-Firma Johnson&Johnson erwartet.

Kein Prüfungsantrag in der Schweiz

In der Schweiz findet noch keine Prüfung des Sputnik V-Impfstoffes statt. Ein Gesuch der Herstellerfirma sei noch nicht eingegangen, teilte ein Sprecher der Zulassungsbehörde «Swissmedic» mit. Sobald ein solches eingehe, würde man aber auch den Sputnik-Impfstoff prüfen. «Swissmedic ist die zentrale schweizerische Überwachungsbehörde für Heilmittel. Sie prüft alle Anträge für die Zulassung von Impfstoffen, unabhängig vom der Herkunft des Herstellers», so der Sprecher.

Geimpft: Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban. (Allerdings nicht mit Sputnik V, sondern mit dem chinesischen Vakzin Sinopharm)

Geimpft: Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban. (Allerdings nicht mit Sputnik V, sondern mit dem chinesischen Vakzin Sinopharm)

Keystone

Orban wollte nicht warten

Neben den westlichen Impfstoffen von Pfizer/Biontech, Moderna und Astrazeneca kommt Sputnik V heute in Europa bereits in Ungarn zum Einsatz. Ministerpräsident Viktor Orban wollte nicht auf die EMA warten und gab den Impfstoff mittels nationaler Notfallzulassung frei. Zwei Millionen Sputnik-Impfdosen hat Ungarn in Moskau bestellt. Die Slowakei oder Tschechien wollen nun den Impfstoff ebenfalls kaufen oder haben das bereits getan. Selbst Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz telefonierte kürzlich mit Russlands Präsident Wladimir Putin, um eine mögliche Produktion und den Einsatz von Sputnik zu besprechen. Und auch der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn sagte, es spreche nichts gegen den Einsatz von aussereuropäischen Impfmittel, sofern diese von der EMA zugelassen werden. Neben dem Russen-Impfstoff könnte dies auch für das chinesische Produkt Sinopharm gelten, welches ebenfalls in Ungarn bereits eingesetzt wird.

Grüner Impfpass: Auch mit Sputnik hindernisfrei Reisen?

Mit einer Zulassung von Sputnik durch die EMA würde sich auch das Problem entschärfen, das sich mit einem «Grünen Impfpass» stellt, wie er in Europa im Sommer kommen soll: Um hindernisfrei in Europa reisen zu können, dürfte die Anerkennung des Impfstoffes durch die EMA die Bedingung sein. Bürger und Bürgerinnen, die mit einem nicht anerkannten Impfstoff immunisiert wurden, hätten dann wohl das Nachsehen. Vorausgesetzt, Sputink V schafft die Zulassung in Europa, dürfte sich dieses Problem erledigt haben.