Südkorea
Sieg für Tierschützer: Gericht verbietet Schlachten von Hunden

Tierschützer in Südkorea verzeichnen einen Sieg. Ein Regionalgericht hat entschieden, dass das Schlachten von Hunden zum Verzehr nicht mehr legal ist. Das Urteil zeugt von einem Bewusstseinswandel in der südkoreanischen Gesellschaft.

Felix Lee
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Ein südkoreanisches Gericht bewahrt mit einem Entscheid hunderttausende Hunde vor dem Tod. (Symbolbild)

Ein südkoreanisches Gericht bewahrt mit einem Entscheid hunderttausende Hunde vor dem Tod. (Symbolbild)

Keystone

Etwa 17'000 Hundefarmen gibt es in Südkorea noch. Sie haben allein im vergangenen Jahr rund eine Million Hunde geschlachtet. Zum Verzehr. Doch bereits seit einiger Zeit wächst der Widerstand. Insbesondere die junge Generation betrachtet den Vierbeiner nicht mehr als Speise, sondern als treuen Freund. Nun hat ein Richter den Tierschützern Recht gegeben.

Das Regionalgericht der südkoreanischen Stadt Bucheon ist der Begründung einer Klage der Tierschutzorganisation Care gefolgt und hat das Töten von Hunden für Fleischgerichte für illegal erklärt. Die Tierschutzorganisation hatte gegen den Betreiber einer Hundefarm geklagt und ihm vorgeworfen, Hunde "ohne berechtigten Grund" zu töten. Zudem habe der Betreiber gegen Hygiene- und Bauvorschriften verstoßen.

Das Gerichte stimmte dem zu. Fleischverzehr sei rechtlich kein ausreichender Grund für das Töten von Hunden. Es verhängte eine Strafe in Höhe von umgerechnet 2600 Franken (2300 Euro). Der Betreiber der Hundefarm verzichtete, darauf, in Berufung zu gehen. Das Urteil ist damit rechtskräftig. Das Gericht hat die Entscheidung bereits im April gefällt, am Donnerstag allerdings erst die Begründung bekannt gegeben.

Lange kulinarische Tradition

Der Verzehr von Hundefleisch hat nicht nur auf der koreanischen Halbinsel, sondern auch in China, Vietnam, Thailand und den Philippinen eine lange kulinarische Tradition. Hundefleisch wird vor allem im Sommer eine kühlende Wirkung nachgesagt. Der traditionellen chinesischen Medizin zufolge gilt der Verzehr von Hundefleisch als blutdrucksenkend. Nachgewiesen ist das nicht.

Doch während Hundefleisch in China und Südostasien allenfalls als Delikatesse gilt, gehörte Hundefleisch in Südkorea noch bis vor Kurzem nach Rind, Schwein und Huhn zur meist verzehrten Fleischsorte. Die Hauptstadt Seoul zählte vor zehn Jahren noch über 1500 Hundefleisch-Restaurants. Zuletzt ist Hundefleisch aber auch in Südkorea aus der Mode gekommen. Junge Leute verpönen den Verzehr geradezu.

"Barbarische Praxis"

Tierschutzorganisationen bezeichnen das Urteil als "historisch". Es würde den Weg für ein allgemeines Verbot des Verzehrs von Hundefleisch ebnen, ist sich Kim Kyung Eun, die Anwältin von Care, sicher. Sie führt das Urteil auf einen allgemeinen Bewusstseinswandel in der südkoreanischen Gesellschaft zurück. Die Mehrheit wolle diese "barbarische Praxis" nicht mehr.

Doch auch für die Gegenseite ist das Thema zu einem Politikum geworden. Konservative, darunter vor allem ältere Südkoreaner, sehen sich ihrer traditionellen Küche beraubt. Vertreter der Hundefarmbranche reagierten denn auch empört auf das Urteil und fordern die Politik zu einer Klarstellung auf.

Grausame Schlachtmethoden

Rechtlich gesehen herrscht schon seit einiger Zeit bei diesem Thema eine Grauzone. Das Essen von Hundefleisch an sich ist zwar nicht verboten. Die Behörden haben in den letzten Jahren jedoch immer häufiger Hygienebestimmungen und Gesetze gegen grausame Schlachtmethoden zum Anlass genommen, um gegen Hundeschlachtereien und -farmen vorzugehen.

Bereits im vergangenen Jahr haben die Behörden den berühmten Moran Markt schließen lassen, den größten Hundefleischmarkt des Landes. Sie machten keinen Hehl daraus, dass sie im Vorfeld der Olympischen Spiele Anfang Februar in Pyeongchang auch um Südkoreas Ruf fürchteten. Auf dem Moran Markt töteten einige Metzger die Vierbeiner durch Stromschläge. Andere hätten den Hunden lebend den Kopf abgeschlagen.

Der Sprecher des südkoreanischen Verbands der Hundezuchtfarmer kritisiert das Urteil scharf. "Wir werden nicht akzeptieren, dass das Töten von Hunden zur Fleischerzeugung mit dem Töten eines Tieres aus einer bloßen Laune heraus auf eine Stufe gestellt wird", kündigte er an. Auch Kühe, Schweine und Hühner würden gezüchtet, um sie zu essen, beklagt er sich. "Warum nicht auch Hunde?"