Saudisches Königshaus weist Vorwürfe zurück - und zieht rote Linie

Der saudische Aussenminister weist den CIA-Bericht, wonach der Kronprinz höchstpersönlich für den Mord am Journalisten Jamal Khashoggi verantwortlich ist, zurück – und warnt vor weiterer Kritik gegen die Führung in Riad.

Michael Wrase, Limassol
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Adel al-Jubeir, Aussenminister Saudi-Arabiens. (Achmad Ibrahim/AP, Jakarta, 23. Oktober 2018)

Adel al-Jubeir, Aussenminister Saudi-Arabiens. (Achmad Ibrahim/AP, Jakarta, 23. Oktober 2018)

Mit einem verklausulierten Hinweis auf das in Saudi-Arabien geltende Tabu der Majestätsbeleidigung hat das Regime in Riad auf einen am Wochenende publizierten Bericht der «Washington Post» reagiert. Demnach ist die CIA zu dem Schluss gekommen, dass der auch unter dem Kürzel «MBS» bekannte saudische Kronprinz Mohammed bin Salman für den Mord an dem Journalisten Jamal Khashoggi verantwortlich sei.

In einem Interview mit der Staatszeitung «Al Schark al-Aussat» wies der saudische Aussenminister Adel al-Jubeir die Erkenntnisse des amerikanischen Auslandsgeheimdienstes barsch zurück und erklärte: «Wir im Königreich wissen, dass solche Behauptungen gegen den Kronprinzen völlig falsch sind, und wir weisen sie entschieden zurück.»

Majestätsbeleidigung als absolutes Tabu

Mit diesem Dementi liess es der Chef der saudischen Diplomatie aber nicht bewenden. Um die gegen «MBS» gerichteten Anschuldigungen bereits im Keim zu ersticken, betonte al-Jubeir, dass Kritik gegen die höchsten Würdenträger des Landes künftig nicht mehr geduldet werde – und warnte: «Die Führung des Königreiches Saudi-Arabien, vertreten durch den König und den Thronfolger, stellen eine rote Linie dar. Und wir werden keine Versuche zulassen, sie anzutasten, von wem auch immer und unter welchem Vorwand auch immer».

«Wir werden keine Versuche zulassen, die Führung von Saudi-Arabien anzutasten.»

Der saudische Aussenminister vermied es in seinen Ausführungen, den Begriff Majestätsbeleidigung zu verwenden. In Wahrheit geht es bei der von Riad nun gezogenen «roten Linie» aber um nichts anderes. Majestätsbeleidigung gehört neben Gotteslästerung, Homosexualität, Prostitution und Hexerei zu denjenigen Delikten, die in dem Wüstenkönigreich mit der Todesstrafe, massiven Auspeitschungen oder lebenslanger Haft bestraft werden können.

Auch den Teilnehmern von Demokratie-Protesten im schiitischen Osten von Saudi-Arabien wurde «Aufruhr gegen die Monarchie» vorgeworfen. Sie hätten beleidigende und verleumderische Parolen gegen das Königshaus skandiert. Dass es Riad mit seinen Warnungen ernst meint, bekräftigte der saudische König Salman bin Abdulaziz am Montagabend in seiner ersten Rede seit dem Mord an Jamal Khashoggi, den der greise Monarch freilich nicht erwähnte. Stattdessen pries er seinen ältesten Sohn für seinen Reformeifer und lobte «Gerechtigkeit und Gleichheit» im Königreich. «Ich möchte Euch versichern, dass dieses Land niemals von der Umsetzung von Gottes Gesetz abweichen wird», rief König Salman, dessen Rede von der BBC als ein Versuch zur Konsolidierung der durch den Mordfall tief erschütterten saudischen Monarchie interpretiert wurde.

Neue Details zum Fall Khashoggi

Dass Saudi-Arabien nie wieder zum «Status quo ante», also der Zeit vor der Ermordung Khashoggis, zurückkehren werde, wolle das Könighaus noch immer nicht wahrhaben, betonen westliche Diplomaten in Riad. Nach ihren Informationen sollen zuletzt auch mehrere Mitglieder der Königsfamilie auf die Ablösung von «MBS» gedrängt und Prinz Ahmed bin Abdulaziz, den 76 Jahre alten Bruder von König Salman, als Thronfolger vorgeschlagen haben. Türkische Medien haben unterdessen neue Details zum Mordfall Khashoggi publiziert. Danach soll der mutmassliche Anführer des nach Istanbul geschickten Killerkommandos, der Saudi Mahir Mutrib, ein «regelmässiger Begleiter» von «MBS» sein.

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