Prinz Philip (†99)
«Ich habe meinen Beitrag geleistet» – ein Nachruf auf den kerzengeraden, loyalen Ehemann der Queen

Mit der Königin trauert Grossbritannien um Prinzgemahl Philip. Bis ins hohe Alter nahm er öffentliche Termine wahr, mit künstlicher Hüfte erschien er an der Hochzeit von Harry und Meghan. Seine Loyalität zu Elizabeth war ohne Beispiel.

Sebastian Borger aus London
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Als Prinzgemahl war der Herzog von Edinburgh, der jetzt im 100. Lebensjahr verstorben ist, bis ins hohe Alter von Königin Elizabeths II Seite nicht wegzudenken. Stets ein, zwei Schritte hinter der Queen, kerzengerade, diskret, formvollendet – an dieser Aufgabe wäre so mancher Mann aus Philips Generation verzweifelt.

Wenn er wehleidig veranlagt gewesen wäre, hätte der aus ursprünglich deutschem Adel Stammende viel zu klagen gehabt über die Ungerechtigkeit der Welt. Aber alles Zartfühlende wurde dem Enkel des letzten griechischen Königs und Ururenkel Königin Victorias schon als Kind ausgetrieben, spätestens auf dem Internat im schottischen Gordonstoun.

Er gab selten Auskunft über sich und klagte nie. «Ich will jetzt kürzer treten», teilte er in einem TV-Porträt zum 90. Geburtstag mit. «Ich habe meinen Beitrag geleistet.»

Beitrag: Visthanna Vimalakanthan

Mit künstlicher Hüfte an der Hochzeit von Harry und Meghan

In Wirklichkeit machte der rüstige Marineoffizier noch Jahre lang weiter, ehe er im zarten Alter von 96 Jahren alle öffentlichen Termine zur Unterstützung jener 780 Organisationen, bei denen er als Schirmherr agiert hatte, einstellte. Bei grossen royalen Terminen tauchte er dennoch weiterhin in der Öffentlichkeit auf, beispielsweise mit gerade frisch eingesetzter künstlicher Hüfte bei der Hochzeit seines Enkels Prinz Harry mit Meghan Markle.

Philips Beitrag zum Fortbestand der Monarchie bestand vor allem in der «beispielhaften Loyalität» für seine Frau, wie der Queen-Biograph Thomas Kielinger schreibt. Elizabeth hatte sich mit 13 Jahren in den mittellosen Leutnantsanwärter verliebt und eisern gegen manche Widerstände bei Hof an Philip festgehalten. Der Hochzeit 1947 folgten rasch die beiden Kinder Charles und Anne, später kamen die Prinzen Andrew und Edward hinzu.

Prinz Philip, der treue Gefährte der Queen, ist im Alter von 99 Jahren gestorben.
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Prinzessin Elisabeth mit ihrem Ehemann Prinz Philip 1951.
Der rüstige Marineoffizier und die stets elegant gekleidete Queen - ein Paar das gut in die traditionelle Welt der Royals passte.
Elizabeth II. und ihr Mann Prinz Philip im Juni 2016: Eine Liebe, die ein Leben lang hielt.
Prinz Philip nahm seine Aufgaben im Königreich bis ins hohe Alter wahr.
Prinz Philipp war ein Mann mit Humor und ein Mann mit einer hohen Loyalität.
Schon im Alter von 13 Jahren verliebte sich die Queen in ihren Philip.
Stets treu an der Seite der Queen, hielt sich Prinz Philip dennoch meistens im Hintergrund: Hier zu Besuch beim damaligen Amerikanischen Präsidenten George H.W. Bush und First Lady Barbara Bush.
Queen Elisabeth II. und Prinz Philip an einer der vielen traditionellen Paraden.
Die Royal Family auf dem Balkon des Buckingham Palace - Prinz Philip selbst war vierfacher Vater.
Nach der Hochzeit 1947 winken die beiden vom Balkon des Buckingham Palace.
Das Paar 1953. Das Geheimnis einer langen Ehe beschrieb Prinz Philip mit den Worten «unterschiedliche Interessen».
Während Elizabeth sich vor allem für ihre Pferde und Hunde interessierte, spielte der Prinzgemahl Hockey und Cricket und versuchte sich als Maler und Photograph.
Queen Elizabeth II. und Prinz Philip an einem Pferderennen - gelobt wurde er oft für «seine wunderbar zurückhaltende Eleganz». (Archivbild)
Prinz Philip verkörperte den englischen Gentleman.
Von der Nation wurde er trotz Kritik vor allem am Ende seines Lebens geliebt und respektiert.

Prinz Philip, der treue Gefährte der Queen, ist im Alter von 99 Jahren gestorben.

KEYSTONE/AP Pool The Sun/ARTHUR EDWARDS

Mit 30 endete seine berufliche Karriere abrupt

Nur kurz war dem jungen Paar die glückliche, unbeschwerte Zeit auf Malta vergönnt, wo der Marineleutnant Philip stationiert war. Der Tod Georges VI. im Februar 1952 bedeutete für den gerade 30-Jährigen ambitionierten Offizier das Aus der eigenen beruflichen Karriere. Dass die Kinder laut Beschluss des Kronrats Windsor statt Mountbatten heissen sollten, ärgerte den Prinzen masslos: «Ich bin eine verdammte Amöbe.»

Zähneknirschend fügte sich Philip in sein Schicksal. Was das Geheimnis einer glücklichen Ehe ausmache, hat er später so definiert: «unterschiedliche Interessen». Während Elizabeth sich vor allem für ihre Pferde und Hunde interessierte, spielte der Prinzgemahl mit hoher Energie Hockey und Cricket, präsidierte den WWF, versuchte sich als Maler und Photograph.

«Wenn Du das noch einmal machst, schmeisse ich Dich raus!»

Früh schon hatte der Abkömmling des Hauses Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg seine lebenslange Liebe zu schnellen Autos entdeckt. Sein geliebter Onkel und Ersatzvater, Admiral Louis Mountbatten hat der Nachwelt, darunter dem Queen-Biographen Ben Pimlott, dazu eine wunderbare Anekdote hinterlassen.

Auf dem Weg zu einem Polomatch sei der Prinz viel zu schnell unterwegs gewesen, weshalb die Königin spürbar verkrampft neben ihm sass und immer wieder hörbar einatmete. Da habe sich der Fahrer wütend an seine Frau gewandt: «Wenn Du das noch einmal machst, schmeisse ich Dich raus!» Im Auto kehrte Stille ein.

Weshalb sie sich denn diese Behandlung habe gefallen lassen, fragte Admiral Mountbatten später seine Nichte: «Schliesslich hattest Du Recht, er fuhr viel zu schnell.» Elizabeth II. erwiderte: «Aber Du hast doch gehört, was er gesagt hat» – offenbar hatte Ihre Majestät berechtigte Sorge, auf offener Strasse an die Luft gesetzt zu werden.

«Schlitzaugen», «Bierbäuche» und der «Reichskanzler»

Die feinen Herrenschneider der Savile Row lobten Philip für seine «wundervoll zurückhaltende Eleganz», mit der er «in vielerlei Hinsicht den britischen Gentleman verkörpert» habe. Zum Diplomaten freilich brachte es der Prinzgemahl nicht. «Niemand hat je ein Treffen mit ihm vergessen», hat dies Prinz Edward einmal ein wenig zweideutig ausgedrückt.

Britische Studenten in China warnte der Prinzgemahl vor allzu langem Verweilen; sie könnten sonst «Schlitzaugen» bekommen wie ihre Gastgeber. An den Ungarn fielen ihm die «Bierbäuche» auf, in Schottland sah er sich von «Alkoholikern» umgeben.

Die festliche Stammesbekleidung des nigerianischen Präsidenten bei einem Staatsbankett kommentierte der Herzog, sein Gegenüber sei wohl «schon fertig fürs Bett». Den damaligen deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl begrüsste er bei einem offiziellen Termin jovial als «Guten Tag, Herr Reichskanzler».

Tele M1 über den Tod von Prinz Philip.

Mit solcherlei politischer Unkorrektheit zog sich Philip immer wieder Kritik der Medien zu und erfüllte damit die wichtige Funktion eines Blitzableiters, der von der unantastbaren Monarchin ablenkt. Gegen Ende seines Lebens zeigte die Nation ihm zunehmend Respekt, ja Dankbarkeit. Bei einer Umfrage nach dem beliebtesten Einwanderer belegte er 2012 Platz Eins.

Das sind die Mitglieder der Royal Family:

Königin Elisabeth II. (*21. April 1926): Elisabeth bestieg am 6. Februar 1952 den Thron. Das macht sie zur am längsten regierende Monarchin von Grossbritannien überhaupt – sie schlägt sogar ihre Vorgängerin Queen Victoria. (Bild: Keystone/EPA/STRINGER)
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Prinz Philip, Herzog von Edinburgh (10. Juni 1921 - 9. April 2021): War ab 1947 der Prinzgemahl ihrer Majestät. Er lernte Königin Elisabeth, damals noch eine Prinzessin, auf der Hochzeit der Prinzessin Marina von Griechenland und dem Herzog von Kent 1934 kennen – zu dieser Zeit war er acht Jahre alt. (Bild: Keystone)
Prinz Charles, Herzog von Wales (*14. November 1948): Prinz Charles ist der älteste Sohn von Königin Elisabeth II. und Prinz Philip. Er ist der Thronfolger des Vereinigten Königreichs. (Bild: Keystone/Jeff Pachoud)
Camilla, Herzogin von Cornwall (*17. Juli 1947): Camilla ist die zweite Ehefrau von Prinz Charles nach Diana, Prinzessin von Wales († 31. August 1997). Sie und Prinz Charles kannten sich bereits, bevor er Diana das erste Mal getroffen hatte. (Bild: Keystone)
Prinz William, Herzog von Cambridge (*21. Juni 1982): Prinz William ist der erste Sohn von Prinz Charles und Prinzessin Diana. Sein vollständiger Titel lautet: «His Royal Highness Prince William Arthur Philip Louis, Duke of Cambridge, Earl of Strathearn and Baron Carrickfergus». (Bild: Keystone)
Catherine, Herzogin von Cambridge (*9. Januar 1982): Die gebürtige Catherine Elizabeth («Kate») Middleton ist seit dem 29. April 2011 die Ehefrau von Prinz William und somit ein Mitglied der Royal Family. Zwei Milliarden Menschen verfolgten die Royale Hochzeit damals vor ihrem Fernseher. (Bild: Keystone)
Prinz George von Cambridge (*22. Juli 2013). Der kleine Prinz George ist der erste Sohn von Kate und William. Genau wie sein Vater wurde er im St. Mary's Krankenhaus in London geboren. (Bild: Keystone)
Prinzessin Charlotte von Cambridge (*2. Mai 2015): Die erste Tochter des Ehepaares. Der volle Name der kleinen Prinzessin lautet Charlotte Elizabeth Diana. (Bild: Keystone)
Prinz Louis von Cambridge (*23. April 2018): Das derzeit jüngste Mitglied der britischen Königsfamilie. (Bild: Keystone)
Prinz Harry von Wales (*15. September 1984): Der zweite Sohn von Prinz Charles und Lady Diana. Früher galt er als Party-Prinz, bald schon trägt er einen Ehering: Seine künftige Ehefrau ist die ehemalige US-Schauspielerin Meghan Markle (* 4. August 1981). (Bild: Keystone)
Prinzessin Anne (*15. August 1950): Das zweite Kind und die einzige Tochter von Königin Elisabeth II. gilt als distanziert und kühl – doch kaum ein Mitglied des britischen Königshauses zeigt mehr soziales und politisches Engagement als sie. Zudem war Prinzessin Anne in ihren jüngeren Jahren eine erfolgreiche Military-Reiterin und Olympia-Teilnehmerin. (Bild: Keystone)
Prinz Andrew, Herzog von York (*19. Februar 1960): Der zweite Sohn und das dritte Kind von Königin Elisabeth II. (Bild: Keystone)
Sarah, Herzogin von York (*15. Oktober 1959): Sarah Ferguson (auch «Fergie» genannt) gilt nicht mehr als ein offizielles Mitglied der Royal Family seitdem sie und Prinz Andrew sich 1996 scheiden liessen. Sie wurde unter anderem als Autorin bekannt und moderierte zeitweise eine eigene Talk-Show. (Bild: Keystone)
Prinzessin Beatrice von York (*8. August 1988): Erste Tochter von Prinz Andrew und Sarah Ferguson. An der Hochzeit von Kate und William sorgte sie für Aufsehen mit diesem aussergewöhnlichen Kopfschmuck. (Bild: Keystone)
Prinzessin Eugenie von York (*23. März 1990): Die jüngste Tochter von Prinz Andrew und Sarah Ferguson. Hier mit ihrem Verlobten Jack Brooksbank zu sehen. Das zukünftige Ehepaar lernte sich bei einem Ski-Aufenthalt in der Schweiz kennen. (Bild: Keystone)
Prinz Edward, Graf von Wessex (*10. März 1964): Prinz Edward ist der jüngste Sohn von Königin Elisabeth II. Wie fast alle Mitglieder der Königsfamilie ist er Ehrenoberst mehrerer Einheiten aller Teilstreitkräfte im Vereinigten Königreich und in anderen Staaten des Commonwealth. (Bild: Keystone)
Sophie, Gräfin von Wessex (*20. Januar 1965): Die gebürtige Sophie Helen Rhys-Jones ist die Ehefrau von Prinz Edward. 1996 hatte sie mit einem Partner eine eigene PR-Agentur gegründet, musste 2002 auf Druck des Königshauses als Geschäftsführerin allerdings zurücktreten. (Bild: Keystone)
James (*17. Dezember 2007) und Lady Louise Mountbatten-Windsor (* 8. November 2003): James und Louise Mountbatten-Windsor sind die beiden Kinder von Prinz Edward und seiner Frau Sophie, der Gräfin von Wessex. Der Name Mountbatten-Windsor ist ein persönlicher Nachname für die Nachkommen von Königin Elisabeth II. (Bild: Keystone)
Prinz Richard, Herzog von Gloucester (*26. August 1944): Prinz Richard ist der Cousin der Königin und Enkel von Georg V.. Zum Zeitpunkt seiner Geburt stand er an fünfter Stelle in der britischen Thronfolge – mittlerweile ist er auf Platz 24 gerutscht. (Bild: Wikipedia)
Birgitte, Herzogin von Gloucester (*20. Juni 1946): Die Ehefrau von Prinz Richard kommt ursprünglich aus Dänemark und wurde in Odense geboren. Sie arbeitete unter anderem in der dänischen Botschaft von London. Gemeinsam hat das Ehepaar drei Kinder. (Bild: Wikipedia)
Prinz Edward, Herzog von Kent (*9. Oktober 1935): Prinz Edward ist Vetter von Königin Elizabeth II. und Enkel von Georg V.. Er wurde 1935 als erstes Kind von Prinz George, Herzog von Kent, und dessen Ehefrau, der Prinzessin Marina von Griechenland geboren. (Bild: Keystone)
Katherine, Herzogin von Kent (*30. September 1992): Die Ehefrau von Prinz Edward ist Katharine, Herzogin von Kent. Obwohl eine offizielle Trennung nie stattgefunden hat, gehen die beiden seit den 1980er Jahren privat getrennte Wege. (Bild: Wikipedia)
Prinz Michael, Herzog von Kent (*4. Juli 1942): Der zweite Sohn von Prinz George, Herzog von Kent, und der Prinzessin Marina von Griechenland. Er ist nach dem Bruder des letzten Zaren von Russland, Michail Alexandrowitsch Romanow, benannt, dessen Grossneffe er ist. (Bild: Keystone)
Marie Christine von Reibnitz (*15. Januar 1945): Marie Christine von Reibnitz ist die Ehefrau von Prinz Michael. Sie geriet wegen ihren kritischen Aussagen gegenüber der königlichen Familie und einer mutmasslichen Affäre bereits mehrmals in die Schlagzeilen. (Bild: Keystone)
Prinzessin Alexandra, Lady Ogilvy (*25. Dezember 1936): Wie ihre Geschwister Prinz Edward und Prinz Michael nimmt Prinzessin Alexandra für ihre Cousine Königin Elizabeth Aufgaben in der Öffentlichkeit wahr. Von 1964 bis 2005 war sie Kanzlerin der Lancaster University, die ihr eine Ehrendoktorwürde für Musik verliehen hat. (Bild von 1961) (Bild: Wiki)

Königin Elisabeth II. (*21. April 1926): Elisabeth bestieg am 6. Februar 1952 den Thron. Das macht sie zur am längsten regierende Monarchin von Grossbritannien überhaupt – sie schlägt sogar ihre Vorgängerin Queen Victoria. (Bild: Keystone/EPA/STRINGER)

Das Radio-Interview mit unserem Korrespondenten Sebastian Borger zum Tod von Prinz Philip