Politisches Zeichen
Diplomatischer Boykott: Diese Länder schicken keine Vertreter zu Olympia nach China

Immer mehr Länder schliessen sich den USA an und verzichten darauf, eine politische Delegation zu den Spielen nach China zu schicken. Warum Frankreich trotzdem gehen will - und Deutschland noch grübelt.

Fabian Hock
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Protest in Taiwan: Demonstranten rufen zum Boykott der Spiele in China auf.

Protest in Taiwan: Demonstranten rufen zum Boykott der Spiele in China auf.

Chiang Ying-Ying / AP

Die USA machen den Anfang

Joe Biden fand klare Worte. Vor gut einer Woche verkündete die Sprecherin des US-Präsidenten den diplomatischen Boykott der Olympischen Winterspiele in Peking im kommenden Februar: Die Biden-Regierung werde keine offiziellen Vertreter zu den Spielen entsenden, sagte Jen Psaki.

Klare Haltung gegenüber China: US-Präsident Joe Biden schickt keine Diplomaten zu den Olympischen Spielen.

Klare Haltung gegenüber China: US-Präsident Joe Biden schickt keine Diplomaten zu den Olympischen Spielen.

Shawn Thew / Pool / EPA

Washington begründet den Entscheid mit den «anhaltenden Genoziden und Verstössen gegen Menschenrechte in Xinjiang» sowie weiteren Menschenrechtsverletzungen. Hinter den US-Athleten stehe man« zu 100 Prozent». Allerdings werde man sie «von zu Hause aus anfeuern».

In Amerika erhielt Biden viel Zuspruch für diesen Schritt. Einigen ging er hingegen nicht weit genug. Mehrere republikanische Senatoren forderten einen vollständigen Boykott.

Grossbritannien, Australien, Kanada und Neuseeland schliessen sich an

Die Biden-Regierung fand in ihrem Anliegen rasch Unterstützer. Grossbritanniens Premier Boris Johnson und Australiens Ministerpräsident Scott Morrison erklärten kurz nach dem Entscheid der USA, ebenfalls keine Diplomaten nach China zu schicken. Kanada schloss sich ebenfalls an. Neuseeland nannte, anders als die anderen drei, die Coronapandemie als Begründung für die Absage. Auch für diese Länder bleibt der Boykott diplomatischer Natur: Athletinnen und Athleten können an den Spielen teilnehmen.

Der eine boykottiert, der andere nicht: Australiens Premier Scott Morrison (r) verzichtet auf die Teilnahme. Südkoreas Präsident Moon Jae-in (l) dagegen wird sich am Boykott nicht beteiligen.

Der eine boykottiert, der andere nicht: Australiens Premier Scott Morrison (r) verzichtet auf die Teilnahme. Südkoreas Präsident Moon Jae-in (l) dagegen wird sich am Boykott nicht beteiligen.

Lukas Coch / EPA

Für Australien hat die Situation eine besondere Brisanz: Seit Jahren schon spricht Australiens Regierung offen aus, wie schlecht es um die Menschenrechtslage in China bestellt ist. Im vergangenen Jahr forderte Canberra zudem eine Untersuchung über den Ursprung des Coronavirus. Peking reagierte mit einem politischen Rachefeldzug: Australische Waren wie Wein, Getreide oder Rindfleisch wurden mit Strafzöllen von über 200 Prozent belegt. Ein harter Schlag für die australische Wirtschaft, die enge Beziehungen nach China pflegt.

Der Konter folgte im Spätsommer diesen Jahres: Australien schloss sich dem Verteidigungsbündnis Aukus mit den USA und Grossbritannien an - und entschied sich damit klar für die amerikanische und gegen die chinesische Seite.

Der jetzige Boykott ist daher keine grosse Überraschung. Das sieht auf der Ministerpräsident so: «Australien wird nicht von seiner starken Position abrücken, mit der wir für die Interessen Australiens eingetreten sind, und natürlich ist es keine Überraschung, dass wir keine australischen Offiziellen zu diesen Spielen entsenden werden», erklärte Morrison letzte Woche.

Frankreich, Südkorea und Russland gehen trotzdem

Emmanuel Macron hält nicht viel von Boykotten. Diese seien rein symbolisch und führten zu nichts, sagte der französische Präsident. Seine Regierung beteilige sich nicht an der Aktion, sondern werde eine Delegation entsenden.

Hält nichts von Boykotten: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.

Hält nichts von Boykotten: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.

Laszlo Balogh / AP

Auch Südkorea verzichtet auf den Boykott. Präsident Moon Jae-in erklärte Anfang dieser Woche, dass seine Regierung einen Boykott nicht in Betracht ziehe. Das hat vor allem mit dem schwierigen Nachbarn im Norden zu tun: China spielt eine entscheidende Rolle mit Konflikt zwischen Süd- und Nordkorea. Seoul kann es sich derzeit kaum leisten, China zu verärgern.

In Russland will man erwartungsgemäss von einem Boykott nichts wissen. Wladimir Putin wird persönlich in China erwartet - wenn auch nicht in seiner Rolle als Staatspräsident, sondern in jener des Präsidenten des Russischen Olympischen Komitees.

Japan und Deutschland überlegen noch

Der neue deutsche Kanzler Olaf Scholz konnte sich noch zu keinem Entscheid durchringen. Man werde sich sorgfältig beraten und dann über einen möglichen diplomatischen Boykott entscheiden. Seine Aussenministerin Annalena Baerbock sprach sich derweil gegen ein Fernbleiben aus: Olympische Spiele sollten nicht als politische Bühne benutzt werden, sagte sie.

Ebenfalls am Prüfen ist die Regierung in Tokio. Hier stehen die Zeichen indes eher auf Boykott: Laut japanischen Medienberichten will sich die Regierung noch diesen Monat dafür aussprechen.