Öffnung
Haarige Belgier und ungeduldige Italiener: So kommen andere Länder in Europa aus dem Lockdown

Die Schweiz tut sich schwer mit der Öffnung nach dem Lockdown. Bei den Nachbarn geht es schneller – und einer war noch gar nicht wirklich drin. Sechs Beispiele wie in Europa in Sachen Lockerungen vorgeprescht, aber auch verschleppt wird.

CH-Media-Korrespondenten
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«Hilfe», sucht ein Modegeschäft in der deutschen Stadt Köln. In ganz Europa warten Händler sehnsüchtig auf das Ende des Lockdowns. In Deutschland dürfte das wohl noch eine Weile gehen.

«Hilfe», sucht ein Modegeschäft in der deutschen Stadt Köln. In ganz Europa warten Händler sehnsüchtig auf das Ende des Lockdowns. In Deutschland dürfte das wohl noch eine Weile gehen.

Sascha Steinbach / EPA

Österreich: Lockerungen ab 8. Februar - aber auch Verschärfungen

Am 8. Februar kommen die ersten Lockerungen in Österreich: Schulen und Handel werden geöffnet, körpernahe Dienstleistungen wieder erlaubt. Von Normalität wird man jedoch noch weit entfernt sein. Gastronomie, Hotellerie, Konzert- und Veranstaltungssäle aller Art bleiben zu. Auch die nächtliche Ausgangssperre bleibt aufrecht.

Und es wird Verschärfungen geben: Die Bestimmungen zur Einreise nach Österreich werden hochgeschraubt. Künftig wird jeder Einreisende einen negativen Covid-Test vorlegen müssen. Auch Pendler. Und für alle anderen wird eine zwingende Quarantäne von zehn Tagen vorgeschrieben. Die bisherige Möglichkeit zur Freitestung nach fünf Tagen fällt weg. (sts)

Italien: Vom «leichten» «ultraleichten» zum Lockdown zum

Zumindest tagsüber gilt in den meisten Regionen Italiens nicht mehr ein «Lockdown light», sondern ein «Lockdown ultralight»: Seit Montag sind Bars, Restaurants, Kinos, Theater und Museen wieder geöffnet; auch Modeboutiquen und die anderen Läden des «nicht täglichen Bedarfs» dürfen ihre Rollläden wieder hochziehen. Nur noch in fünf Regionen - Sardinien, Sizilien, Umbrien, Südtirol und Apulien - gelten noch die strengeren Vorschriften der «orangen Zone».

Eine Frau besucht das Kolosseum in Rom - dank ultraleicht-Lockdown ist das wieder möglich.

Eine Frau besucht das Kolosseum in Rom - dank ultraleicht-Lockdown ist das wieder möglich.

Cecilia Fabiano / AP

Im ganzen Land – also auch in den 15 «gelben» Regionen - gilt aber nach wie vor eine Ausgangssperre zwischen 22 und 5 Uhr. Ausserdem müssen die Bars und Restaurants bereits um 18 Uhr schliessen (erlaubt bis 22 Uhr bleiben Take-Away und Hauslieferung). Auch darf man sich weiterhin nur innerhalb der eigenen Region bewegen. Das gilt voraussichtlich noch bis zum 15. Februar. An diesem Tag werden wahrscheinlich auch die italienischen Skigebiete wieder öffnen dürfen. (dst)

Deutschland: Warnungen vor «überstürztem Lockerungswettbewerb»

Harte Kontaktbeschränkungen, verschlossene Geschäfte, Kneipen, Schulen und Sportanlagen – und das Gros der Angestellten im Homeoffice: Seit Mitte Dezember ist Deutschland in einem harten Lockdown. Und es sieht nicht danach aus, als ob sich an der Tristesse so bald etwas ändern wird. «Jeder, der erwartet, dass danach die grossen Öffnungen in breiter Form stattfinden können – das ist aus meiner Sicht nicht verantwortbar», erteilte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder einem «überstürzten Lockerungswettbewerb» Mitte Februar eine Absage.

Einen Dämpfer gabs zudem am Montag: Kanzlerin Angela Merkel machte klar, dass der Impfstoff im ersten Quartal knapp bleiben wird. Dennoch gibt es auch gute Nachrichten: Die Infektionen sind rückläufig, das Land nähert sich mit einem Inzidenzwert von aktuell 90 dem angestrebten Wert von 50 an. Möglich ist eine stufenweise Öffnung bei stabilen Inzidenzwerten unter 100 ab Mitte Februar. Zuerst sollen Kitas und Schulen öffnen. (crb)

Frankreich: Die Franzosen sind noch gar nicht drin

Frankreich kommt aus einem einfachen Grund nicht aus dem Lockdown: Es ist noch gar nicht drin. Emmanuel Macron zögert ihn täglich hinaus, auf die Gefahr hin, die Bevölkerung zu spät einzuschliessen. Doch angesichts der schlechten Stimmung im Land möchte dies der Präsident um alles in der Welt vermeiden.

In Kraft bleibt dafür die Sperrstunde ab 18 Uhr. Viele Wirte laufen Sturm dagegen. Einige haben diese Woche das (noch erlaubte) Takeaway-Essen in illegalen Stehbars vor der Küche serviert. Die Polizei teilte happige Bussen aus. (brä)

Belgien: Haarige Belgier hoffen nach über 100 Tagen auf einen Besuch beim Coiffeur

Ganz anders als in Frankreich sieht es in Belgien aus: Die zweite Welle schwappte über das Land wie ein Tsunami. Im Oktober verhängte die Regierung einen konsequenten Lockdown. Erst seit Weihnachten sind Fachgeschäfte wieder offen. Daneben herrscht Masken- und Test-Pflicht für Einreisende. Ende Januar wurden sogar als erstes Land in Europa Ferienreisen verboten. Ein Datum für breite Lockerungen gibt es nicht.

Immerhin: Mitte Februar könnte den Belgierinnen und Belgier nach fast vier Monaten wieder einmal ein Coiffeurbesuch erlaubt werden. Mit der Betonung auf «könnte»: Es bleibe «ein politischer Entscheid», so Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke. (rhe)

Dänemark: Öffnung der Schulen hat höchste Priorität

Nach sechs Wochen Lockdown öffnen in Dänemark die Schulen für die bis 10-Jährigen. Dabei sollen sich Klassen nicht mischen, Masken müssen aber weder Schüler noch das Personal tragen; letzteres wird regelmässig getestet. Es ist eine vorsichtige Öffnung, ansonsten geht der Lockdown mit Homeoffice-Pflicht, 5-Personen-Obergrenze sowie geschlossenen Geschäften, Kultur- und Sporteinrichtungen bis März weiter.

Dass kleinere Kinder eine Ausnahme bilden, hängt mit deren geringerer Ansteckungsgefahr, deutlich sinkenden Fallzahlen und wachsender Kritik an der Regierung zusammen. Experten hatten vor sozialen Problemen und wirtschaftlichen Schäden gewarnt, wenn Eltern nur eingeschränkt arbeiten könnten. (nan)