Pandemie
Kritiker sind ausser sich: Spanien registriert Impfverweigerer

Impfskeptiker warnen - und befürchten die Einführung des Impfzwangs durch die Hintertür.

Manuel Meyer aus Madrid
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Ein 72-jähriger Spanier bekommt das Coronavakzin verabreicht. Wer sich dagegen weigert, soll künftig registriert werden.

Ein 72-jähriger Spanier bekommt das Coronavakzin verabreicht. Wer sich dagegen weigert, soll künftig registriert werden.

Juanjo Martin / EPA

Nach Lieferverzögerungen wegen eines logistischen Problems können nun auch in Spanien die Covid-Schutzimpfungen starten. Am Dienstag trafen die ersten 350000 Dosen des Impfstoffs von Biontech und Pfizer ein. Obwohl auch in Spanien die Schutzimpfungen freiwillig sind, wird Madrid ein Register für Impfverweigerer einführen. Das bestätigte das spanische Gesundheitsministerium am Dienstag.

Das Register sei nicht öffentlich zugänglich und respektiere die EU-Datenschutzgesetze, werde allerdings an andere europäische Länder weitergegeben, erklärte bereits am Montag Spaniens Gesundheitsminister Salvador in einem Fernsehinterview. Der Sinn des Registers scheint dabei eher statistischen Gründen zu dienen. «Mit einem solchen Register können wir uns einen Überblick verschaffen, welche Menschen die Impfung verweigern und dadurch unsere Informations- und Kontaktkampagnen verbessern», erklärt Amós García Rojas, Vorsitzender der spanischen Impfvereinigung, auf Anfrage.

«Die Skeptiker werden ihre Meinung noch ändern»

Impfverweigerer hegen jedoch Befürchtungen vor dem Register. Die Regierung betont zwar stets, dass es keine Impfpflicht gäbe. Doch sollten sich zu viele Menschen weigern oder abwarten, um zu sehen, ob die in Rekordzeit entwickelten Covid-19 Vakzine tatsächlich wirksam und vor allem sicher sind, könne sich das ändern.

«Wenn die öffentliche Gesundheit der Bevölkerung gefährdet ist, haben wir die rechtlichen Möglichkeiten zum Impfzwang», stellt der Seuchenschutzbeauftragte der spanischen Regierung Fernando Simón immer wieder klar.

«Spanien ist ein impffreundliches Land»

Doch soweit dürfte es wohl nicht kommen, meint Amós García Rojas vom spanischen Impfverband: «Generell ist Spanien ein impffreundliches Land. Und diejenigen, die noch skeptisch sind, werden ihre Meinung ändern, wenn sie sehen, dass die Impfstoffe sicher sind». Tatsächlich ist die Zahl der Impfverweigerer und Skeptiker von November auf Dezember von 47 auf 28 Prozent geschrumpft. Gleichzeitig, so eine Umfrage des staatlichen Meinungsforschungsinstituts, sei die Bereitschaft auf eine sofortige Covid-Impfung von 37 auf 40 Prozent gestiegen.

Bis Ende Februar will Madrid zunächst 2,5 Millionen Spanier impfen. In dieser ersten Gruppe befinden sich Seniorenheimbewohner, ihre Pfleger und besonders gefährdetes Krankenhauspersonal. Bis Juli hofft man dann bis zu 60 Prozent der insgesamt 47 Millionen Spanier gegen das Coronavirus impfen zu können. Mit 50 000 Todesopfern und 1,8 Millionen Infizierten gehört Spanien zu den am schlimmsten von der Pandemie heimgesuchten Ländern Europas.

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