Kommentar
Mario Draghi: Eine doppelte Chance für Italien

Super Mario hat Italien schon einmal gerettet, jetzt soll er es wieder tun. Man möchte es ihm zutrauen. Doch auch er steht nicht über den Gesetzen der Mathematik.

Dominik Straub aus Rom
Dominik Straub aus Rom
Merken
Drucken
Teilen
Er soll Italien aus der Krise führen: Ex-EZB-Chef Mario Draghi.

Er soll Italien aus der Krise führen: Ex-EZB-Chef Mario Draghi.

Roberto Monaldo / AP

Mario Draghi ist das, was man in Italien eine «Reserve der Republik» nennt: Eine hoch angesehene Persönlichkeit in einem gewissen Alter, integer, kompetent, führungsstark - und damit im Grunde geeignet für jedes noch so anspruchsvolle Staatsamt. Er war auch schon lange im Gespräch als möglicher Nachfolger von Staatspräsident Sergio Mattarella, dessen Amtszeit in einem Jahr endet. Daraus wird nun wohl nichts - weil eben dieser Mattarella Draghi als neuen Regierungschef nominiert hat.

Setzt er die Reformen um, die er selbst seit Jahren anmahnt?

Dem Ökonomen und Finanzfachmann Draghi ist es zuzutrauen, dass er im stagnierenden, an sich selbst zweifelnden Italien jene Strukturreformen anpackt, die er selber seit Jahren anmahnt. Und er ist mit seiner Kenntnis der Brüsseler Mechanismen auch der richtige Mann, um einen Plan zur Verwendung der Milliardenzuschüsse aus dem EU-Recovery-Fund zu entwerfen. Draghi und die 209 Milliarden aus dem Fund: Eine solche Doppel-Chance wird Italien so schnell nicht wieder erhalten.

Allerdings: Auch Mario Draghi muss mit dem alten Parlament regieren, das nach wie vor von zwei populistischen und tendenziell anti-europäischen Parteien dominiert wird: von der Fünf-Sterne-Bewegung und der rechtsnationalen Lega. Giuseppe Conte ist daran gescheitert. Draghi ist ein ganz anderes Kaliber als Conte - aber stärker als die Mathematik ist auch «Super-Mario» nicht. Die numerischen Kraftverhältnisse im Parlament sprechen gegen ihn.