Kommentar
Sofa-Gate: Ursula von der Leyen wird gedemütigt wie einst Angela Merkel

Bei ihrem Besuch in Ankara musste EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen abseits auf dem Sofa sitzen, während ihr männlicher Kollege neben dem Gastgeber Platz nahm. Eine kalkulierte Herabwürdigung.

Remo Hess, Brüssel
Remo Hess, Brüssel
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Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (Mitte rechts) mit EU-Ratspräsident Charles Michel (Mitte links). Abseits auf der Couch: Kommissionschefin Ursula von der Leyen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (Mitte rechts) mit EU-Ratspräsident Charles Michel (Mitte links). Abseits auf der Couch: Kommissionschefin Ursula von der Leyen.

Mustafa Kaya / XINHUA

Es gibt dieses Bild von Angela Merkel, Wladimir Putin und dem Hund. Aufgenommen wurde es 2007 im russischen Sotschi. Obwohl oder gerade, weil Putin wusste, dass die deutsche Kanzlerin Angst vor Hunden hat, brachte er seinen Labrador zum Treffen mit. Mit skeptischem Blick beäugte Merkel das Tier, während sich Putin ein Grinsen nicht verkneifen konnte. Die Demütigung war perfekt.

Sotschi, 21.01.2007

Sotschi, 21.01.2007

Keystone


Gegrinst hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan zwar nicht. Aber trotzdem wird das Bild, oder besser gesagt, das Video in Erinnerung bleiben, wie er EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auflaufen liess: Beim Treffen in Ankara durfte nur EU-Ratspräsident Charles Michel neben Erdogan Platz nehmen. Für die Kommissionschefin wurde kein Stuhl aufgestellt. Sie musste abseitig auf einem Sofa sitzen, in reichlicher Entfernung. Die Bildsprache war klar: Hier sprechen die Männer, die Frau sitzt am Rande. In den Sozialen Medien wird die Situation mit «Sofa-Gate» umschrieben.

Der Videobeweis: Von der Leyen, offensichtlich verwundert, kann nur mit einem hilflosen «Äääähm?» reagieren.

AP/Europäische Union

Jedes Detail ist wichtig

War das eine gezielte Provokation des Patriarchen Erdogan? Möglich ist es. Klar ist, dass bei Treffen mit Autokraten im Stile Putins und Erdogans nichts dem Zufall überlassen werden darf. Jedes noch so kleine Detail fällt politisch ins Gewicht. Eine besonders schlechte Figur gab Ratspräsident Charles Michel ab. Im entscheidenden Moment hat er überhaupt keine Anstalten gemacht, seinen Platz freizuräumen oder sich sonst wie bemerkbar zu machen. Im Gegenteil: Er hat seine Kollegin eiskalt in die Macho-Falle laufen lassen.