Italien
Wie einst in Köln: Erste Festnahmen nach sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht in Mailand

In der italienischen Metropole haben Gruppen von jungen Nordafrikanern zahlreiche Frauen massiv sexuell belästigt und zum Teil ausgeraubt - ähnlich wie in der Silvesternacht 2015/16 in Köln. Jetzt wurden zwei Verdächtige festgenommen, doch insgesamt wirken die Behörden zögerlich.

Dominik Straub, Rom
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Polizisten und Feierwillige an Silvester in Mailand.

Polizisten und Feierwillige an Silvester in Mailand.

EPA

Fast zwei Wochen sind seit der Silvesternacht vergangen, und noch immer ist das volle Ausmass der Vorfälle auf der Piazza del Duomo in Mailand nicht absehbar: Immer noch melden sich weitere junge Frauen, die angeben, bei der Neujahrsfeier von Gruppen junger Nordafrikaner bedrängt, begrapscht, erniedrigt und zum Teil auch körperlich verletzt und ausgeraubt worden zu sein. Die Schilderungen erinnern an die Silvesternacht 2015/16 in Köln.

Inzwischen können die Behörden immerhin die ersten Ermittlungserfolge vorweisen: Am Dienstag wurden bei 18 Verdächtigen im Alter von 15 bis 21 Jahren Hausdurchsuchungen durchgeführt. Gegen 12 von ihnen wird ermittelt. Am Mittwoch wurden zwei mutmassliche Täter verhaftet. Es handelt sich um italienische Staatsbürger nordafrikanischer Abstammung im Alter von 18 und 21 Jahren. Ihnen wird sexuelle Gruppengewalt, Körperverletzung und Raub vorgeworfen.

Zum Fahndungserfolg beigetragen haben zum einen moderne Ermittlungstechnik: Unter anderem konnten die Aufnahmen von Überwachungskameras mit einer Gesichtserkennungssoftware ausgewertet werden. Zum anderen standen der Polizei zahlreiche Aussagen der weiblichen Opfer zur Verfügung, die die Täter zum Teil wiedererkannt haben.

Ein grosser Teil der Verdächtigen ist minderjährig

Die ersten beiden Anzeigen hatten zwei zwanzigjährige deutsche Studentinnen aus Mannheim erstattet, die berichteten, wie sie auf der Piazza von Mailand von einer Horde junger Männer eingekreist und bedrängt wurden.

«Wir dachten, dass wir vergewaltigt oder totgetrampelt werden»,

berichtete eine von ihnen. «Ich hoffe, dass uns und allen anderen Frauen, die belästigt wurden, nun Gerechtigkeit widerfährt», erklärte die Studentin. Ob sich die Hoffnung erfüllen wird, ist ungewiss. Sicher ist nur, dass an den sexuellen Übergriffen weit mehr als die bisher ermittelten 12 Verdächtigen beteiligt waren. Ausserdem ist ein grosser Teil der mutmasslichen Täter noch minderjährig und deswegen nur bedingt strafmündig.

Feministinnen bleiben stumm

Die politische Rechte - allen voran natürlich die Lega von Ex-Innenminister Matteo Salvini - instrumentalisiert die sexuellen Übergriffe nach Kräften. Die Nordafrikaner, die von der Linken «zu Zehntausenden ins Land geholt» worden seien, hätten die Piazza del Duomo längst «kolonialisiert» und machten Jagd auf junge Italienerinnen.

Die konservative Wochenzeitschrift «Panorama» aus dem Hause Berlusconi wirft der «Kaviar-Linken» Heuchelei vor: Deren Leitmedien verschleierten die nordafrikanische Herkunft der mutmasslichen Täter bis heute, und bisher habe auch noch keine Feministin das Wort erhoben, um sich mit den angegriffenen Frauen zu solidarisieren.

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