Good news
Warum wir die beste Woche dieses ansonsten finsteren Jahres 2022 hinter uns haben

Cherson ist wieder ukrainisch, in den USA und in Brasilien hat die Demokratie ihren Test bestanden – und es gibt auch konjunkturelle Lichtblicke: Die Nachrichten dieser Woche tun gut.

Patrik Müller
Patrik Müller
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Die Bilder und Videos, die gestern aus Cherson eintrafen, gehen ans Herz. Bewohnerinnen und Bewohner der südukrainischen Stadt schwenken blau-gelbe Flaggen, sie lassen Soldaten hochleben, filmen mit ihren Handys den historischen Moment. Die Stadt, welche die Russen kurz nach Putins Angriffsbefehl eingenommen hatten, ist jetzt wieder ukrainisch kontrolliert. Das ist in allererster Linie eine gute Nachricht für die Bevölkerung. Die Besatzer sind abgezogen, hastig offenbar, denn sie liessen Kisten mit Waffen, Munition und Kleidung zurück.

Die Nachricht tut auch uns im Westen gut. Der Krieg deprimiert, nicht nur die Direktbetroffenen, sondern alle, die nicht Putins Propaganda verfallen sind. Kommt hinzu, dass 2022 auch sonst ein finsteres Jahr ist. In vielen afrikanischen Staaten verschärft sich die Nahrungsmittelknappheit, die Inflation trifft weltweit vor allem die ärmeren Schichten – ebenso die Naturkatastrophen infolge der Klimaerwärmung.

Die Wahlen in den USA haben gezeigt, dass die Demokratie funktioniert.

Die Wahlen in den USA haben gezeigt, dass die Demokratie funktioniert.

Joel Bissell / AP

Diese Woche aber hält nicht nur Cherson «good news» bereit. Im immer noch mächtigsten Land der Welt fanden Zwischenwahlen statt. Viele Beobachter hatten erwartet, dass in den USA die «Trumpisten» triumphieren würden – Kandidaten, die mit der Lüge vom Betrug bei den Präsidentschaftswahlen 2020 Wahlkampf machten. Es kam anders: Die Republikaner legten zu, aber gestärkt wurden nicht die Extremisten und Wahl-Leugner, sondern die vernünftigen Konservativen, die fest auf dem Boden der Demokratie stehen. Diese hat ihre Selbstheilungskraft unter Beweis gestellt.

Sind es Tränen der Freude? Luiz Inacio Lula da Silva wird Brasiliens neuer Präsident.

Sind es Tränen der Freude? Luiz Inacio Lula da Silva wird Brasiliens neuer Präsident.

Eraldo Peres / AP

Fragiler (und ungleich jünger) ist die Demokratie in Brasilien. Auch von dort kommt eine gute Nachricht. Die Machtübergabe von Bolsonaro an Lula scheint zu funktionieren. Man befürchtete, es könne in Brasilien zu einem «Sturm aufs Kapitol» kommen, zum Versuch, das Wahlresultat mit Gewalt umzustossen. Das geschah nicht.

Und dann gab es noch eine weitere wichtige Positivmeldung: Die Inflation ist in den USA deutlich zurückgegangen. Die Börsen frohlocken bereits. Mit Jubeln sollte man vorsichtig sein, oft erweist es sich als verfrüht. Auch in der Ukraine kann das Pendel wieder in die andere Richtung schwingen. Trotzdem: Bei all den Horror-Meldungen dieses Jahres darf man sich freuen, dass diese Woche eine gute war.