Gerichtsverfahren
«Bombe» für Royals: Kauft sich Andrew von Missbrauchsvorwurf frei?

Der Druck auf das britische Königshaus wächst. Ein Missbrauchsprozess gegen Prinz Andrew wird immer wahrscheinlicher – und das ausgerechnet im Jubiläumsjahr der Queen. Kann der Palast das heikle Thema mit viel Geld lösen?

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Die Luft wird dünn: Prinz Andrew hat nicht mehr viele Optionen, einem Prozess zu entgehen.

Die Luft wird dünn: Prinz Andrew hat nicht mehr viele Optionen, einem Prozess zu entgehen.

Keystone

Im Missbrauchsskandal um Prinz Andrew kann nach Ansicht von Experten nur noch eine Millionenzahlung den Queen-Sohn vor einem skandalösen Gerichtsverfahren retten. Der 61-Jährige habe ansonsten keine guten Optionen mehr, kommentierte der renommierte britische Medienanwalt Mark Stephens am Donnerstag. «Der Schaden muss begrenzt werden.» Stephens schätzt, dass Andrew für eine aussergerichtliche Einigung der Klägerin Virginia Giuffre fünf bis zehn Millionen Pfund (sechs bis zwölf Millionen Euro) bieten müsste. Das Hindernis: «Frau Giuffre wird ihren Tag im Gericht wollen.»

Das macht auch einer der Anwälte der US-Amerikanerin deutlich. «Es ist Virginia Giuffre sehr wichtig, dass diese Angelegenheit auf eine Weise gelöst wird, dass sie und die anderen Opfer Gerechtigkeit erfahren», sagte David Boies der BBC. Er liess aber eine Hintertür für eine gütliche Einigung offen. Der Fall gilt als bedeutendste Klage gegen ein Mitglied der königlichen Familie in jüngster Zeit.

US-Gericht weist Andrews Einwände gegen Prozess ab

Ein Prozess gegen den zweitältesten Sohn von Queen Elizabeth II. (95) ist seit Mittwoch ein grosses Stück wahrscheinlicher geworden. Da hatte der New Yorker Richter Lewis Kaplan Einwände von Andrews Anwälten abgelehnt, mit denen sie die Klage im Keim ersticken wollten. Giuffre wirft dem Prinzen vor, sie vor rund 20 Jahren als 17-Jährige mehrfach sexuell missbraucht zu haben. Demnach wurde sie vom mittlerweile gestorbenen US-Multimillionär Jeffrey Epstein vermittelt. Andrew weist die Vorwürfe kategorisch zurück.

Geld für einen Vergleich wäre offenbar vorhanden. Zwar wird die Queen ihrem Lieblingssohn vermutlich keinen Penny aus ihrem immensen Vermögen zur Verfügung stellen - das würde ein PR-Desaster bedeuten. Doch hat Andrew vorgesorgt, wie die Zeitung «The Sun» berichtete. Demnach will er sein Chalet im Schweizer Alpenort Verbier verkaufen und erwartet Einnahmen von mindestens 15 Millionen Pfund.

Veteranen fordern, dass die Queen seine militärischen Titel aberkennt

Die Luft für den Royal wird immer dünner, und auch in der Heimat hat sich die öffentliche Meinung längst gegen Andrew gewendet. Nun geht es dem Prinzen auch an die Auszeichnungen. Mehr als 150 militärische Veteranen forderten die Queen als Oberbefehlshaberin auf, ihrem Sohn die militärischen Titel abzuerkennen. Kommentatoren halten das für durchaus realistisch. Sie verweisen darauf, dass Queen-Enkel Prinz Harry (37) seine militärischen Titel abgeben musste, nachdem er und Ehefrau Herzogin Meghan ihrer royalen Pflichten entsagt hatten.

«Offiziere des britischen Militärs sind den höchsten Standards an Redlichkeit, Ehrlichkeit und ehrenhaftem Verhalten verpflichtet», heisst es in dem Schreiben. Seine öffentlichen Aufgaben als Mitglied der Royal Family hat Andrew schon seit Bekanntwerden der Vorwürfe niedergelegt, die militärischen Titel aber bislang behalten.

Für die Queen und die königliche Familie ist Andrew bereits seit längerem eine Belastung. Mit der Fortsetzung des Verfahrens wird seine Position nach Ansicht von Experten immer unhaltbarer. Andrew sei erledigt, sagte Königshaus-Experte Phil Dampier der «Sun». Er sehe keine Möglichkeit, dass Andrew - etwa im Rahmen des Gedenkens an den Falkland-Krieg vor 40 Jahren, in dem er gedient hatte - je wieder öffentlich für das Königshaus auftreten werde.

Medienanwalt Stephens sagte der BBC, Richter Kaplan habe mit der Entscheidung «eine Bombe in die Mitte und ins Herz der Royal Family» geworfen, die eine Verfassungskrise auslösen könne.

«Das einzige, was er tun kann, ist, die Verantwortung zu übernehmen.»

Rechtsexperte Spencer Kalvin sagte der «Sun», ein Prozess könne höchst intime und demütigende Fragen aufwerfen. Der Buckingham-Palast wollte den Fall mit Verweis auf ein laufendes Verfahren nicht kommentieren.

Andrew wurde am Donnerstag erstmals in diesem Jahr wieder kurz in der Öffentlichkeit gesichtet. Die Zeitungen «Sun» und «Daily Mail» veröffentlichten Fotos, die den Queen-Sohn auf dem Rücksitz seines Autos auf dem Gelände von Schloss Windsor zeigten. Der 61-Jährige wirkte in Gedanken versunken. Ausgerechnet im Jahr der 70. Thronbesteigung von Elizabeth steht ihr Sohn im Mittelpunkt der schwersten royalen Krise seit langer Zeit. «Andrew muss die Sache um seiner Mutter willen klären», sagte Royal-Expertin Ingrid Seward. (dpa)

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